Banken
Firmenkunden-Vorstand Berger verlässt die HVB

Die Münchener Hypo-Vereinsbank hat einmal mehr überrascht, mit sehr guten Gewinnen einerseits und einem erneuten personellen Verlust andererseits. Johann Berger geht, das ist trotz des auf fast 1,9 Mrd. Euro verdoppelten operativen Ergebnisses der HVB-Gruppe die Botschaft des Tages.

HB MÜNCHEN. Denn Bergers Rückzug ist keine alltägliche Personalie, mit ihm geht eine Symbolfigur, mit Ausnahme des amtierenden Vorstandschefs Wolfgang Sprißler ist Berger die letzte Führungsfigur aus der Riege des alten Vorstands, wie er vor der Fusion mit den Italienern amtierte.

Dabei ist der Oberbayer Berger zunächst das Opfer der neuen, nach dem Vorbild der Mutter Unicredit gestrickten Strukturen in der HVB geworden. Denn als Konzernchef Alessandro Profumo vor wenigen Wochen verkündete, dass die Immobiliensparte des Konzerns ins Firmenkundenressort eingegliedert werden solle, da war klar, dass eines der Versprechen, auf die Berger vertraut hatte, nicht mehr gelten würde. Denn plötzlich fand er seein Geschäftsgebiet in der operativen Verantwortung seines Board-Kollegen Vittorio Ogliengo wider. Für Berger, der als Immobilienfachmann auch auf Konzernebene auf ein eigenes Ressort gehofft hatte, war die Sache mit Mailand da schon so gut wie erledigt. Sein Abgang symbolisiert somit auch die abnehmende Bedeutung, die das einstige Kerngeschäft Immobilien künftig für die HVB haben wird. Insofern war sein Abgang auch symbolisch. Die Bank jedoch betonte, Berger selbst sei es gewesen, der die Integration des gewerblichen Immobiliengeschäfts empfohlen habe. Berger hätte demnach selbst dafür plädiert, seine Vorstands-Funktion überflüssig werden zu lassen.

Vor ziemlich genau 30 Jahren ist der heute 46jährige als Lehrling in die Vereinsbank eingetreten, im Laufe der Jahre wurde er zu einem der Aushängeschilder der Bank, vor allem dank seiner Expertise zunächst im Firmenkunden und dann im Immobiliengeschäft. In Bergers Werdegang spiegelt sich ein erhebliches Stück der Geschichte der Hypo-Vereinsbank, in guten wie in schlechten Tagen. Es war Berger, der zunächst in New York und dann als Vorstandsmitglied der von der HVB abgespaltenen Hypo Real Estate AG Anfang des neuen Jahrtausends die Aufgabe übernommen hatte, die faulen Immoiblienkredite, die der Bank beinahe das Genick gebrochen häten, zu entsorgen. Weil ihm dies so gut gelungen ist, kam er im Februar 2005 zur HVB zurück mit dem klaren Auftrag des damaligen Konzernchefs Dieter Rampl, nun auch die HVB von ihrer Immobilienlast zu befreien, Berger, der Feuerwehrmann Rampls.

Bis heute ist unklar, ob der Banker damals schon wusste, was seine neuer Chef mit Allessandro Profumo im Schilde führte. Als dann im Herbst 2005 - die Übernahme war längst schon irreversibel - eine Reihe von Vorständen den Dienst quittierten, war es Berger, der der Bank überraschend die Treue hielt. Dieter Rampl soll den ehemaligen Vereinsbanker beschworen haben, zu bleiben. Einer der Köder war die Position eines Konzernvorstands von Unicredit. In der Bank heißt es heute, mit seiner erfolgreichen Sanierungsarbeit habe Berger seine Position gleichsam selbst überflüssig gemacht. Tatsächlich baute Berger in großem Stil auch für die HVB faule Kredite ab, bereinigte so das Portfolio, sanierte die schwersten Altlasten. Wirklich gedankt hat ihm dies Alessandro Profumo am Ende nicht, auch wenn er Berger in der Abschiedsepistel als "Freund" bezeichnete.

Wohin es den unter Kollegen als integer, ruhig aber zielstrebig beschriebenen Berger nun zieht, ist ungewiss. Gewiss ist nur, dass er nicht zurück zur Hypo Real Estate wechseln wird, heißt es jedenfalls in Münchener Finanzkreisen.

In der HVB dürfte der Abgang indes eine neue Welle der Verunsicherung auslösen. Denn der personelle Aderlass ist nicht wirklich gestoppt, in den vergangenen Wochen hatte die Bank einige schmerzhafte Verluste in der zweiten Reihe zu verkraften. Dies alles hat natürlich auch mit der Neuausrichtung a la Milano zu tun. Je stärker sich der Eindruck verfestigt, dass die HVB auf Dauer eine Unicredit in weiß-blau wird, desto absehbarer ist der weitere Verlust an personeller Substanz.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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