Banken gehen offenbar nur sehr zögerich vor
Geldwäsche ist teuer für alle Beteiligten

Geldwäsche ist ein teures Geschäft - nicht nur für Steuer- und Strafverfolgungsbehörden, sondern auch für diejenigen, die die Herkunft ihrer Gelder verschleiern wollen.

HB FRANKFURT. Illegale Vermögen fließen mittlerweile nicht mehr nur in besonders rentable Anlagen, wie Branchenexperte Christian Kronseder sagt: "Bei der Einschleusung illegaler Gelder werden Verluste von bis zu 50 Prozent in Kauf genommen." Kronseders Firma World Check hat eine Datenbank zur Verhinderung von Geldwäsche aufgebaut.

Neben Privatfirmen räumen inzwischen auch Regierungen dem Thema inzwischen einen hohen Stellenwert ein. Schätzungen zufolge gibt allein die deutsche Kreditwirtschaft jährlich etwa 100 Mill. Euro aus, um Geldwäsche zu verhindern. Mit mäßigem Erfolg, wie Teilnehmer der Konferenz "Anti-Money-Laundering and Terror Financing" am Mittwoch in Frankfurt sagten.

"Die Bekämpfung von Geldwäsche gleicht einem Hase-und-Igel-Rennen", sagt Felix Herzog, der die Forschungsabteilung Geldwäschekriminalität an der Universität Bremen leitet. Denn die "Branche" verändere sich ständig, und illegale Gelder von legalen zu unterscheiden, sei schwierig. Dabei sind die Mittel, deren Herkunft verschleiert werden soll, nicht unerheblich: Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds werden jährlich zwischen 500 und 1500 Mrd. Dollar gewaschen.

Im Gegensatz zu früher, als oft verdächtig große Transaktionen oder hohe Kontostände die Ermittler auf die Spur brachten, werden nun oft besonders riskante Investitionen getätigt, um Geld "sauber" zu bekommen. Teure Immobilien an der spanischen Costa del Sol oder spekulative Investitionen am Rohstoffmarkt gelten als beliebtes Ziel. Das bringt die Märkte aus dem Gleichgewicht und destabilisiert das Finanzsystem.

Illegales Geld wird nicht nur in Villen oder Goldbarren gesteckt, auch Terroranschläge werden aus solchen Quellen finanziert. Dass man jedoch durch die Verfolgung illegaler Gelder den Terroristen die Mittel entziehen könnte, wird von Experten bezweifelt - nicht zuletzt, weil die Kosten für einen Anschlag zu niedrig sind, um aufzufallen: So hätten etwa die Anschläge auf die Londoner U-Bahn im vergangenen Jahr wenige tausend Pfund gekostet, sagt ein Experte.

Ein großes Probleme beim Kampf gegen internationale Geldwäsche ist, dass bestehende Regelungen in den Ländern unterschiedlich angewandt werden. So berichtet ein Teilnehmer der Konferenz, dass etwa in einer Bank in Moldawien die vorgeschriebene Position des Geldwäsche-Beauftragten zwar geschaffen wurde - seine Fachkenntnisse musste dieser sich jedoch selbst beibringen. Kritisch könnte auch sein, dass viele Banken bei Verdacht auf Geldwäsche sehr zögerlich vorgehen, um ihre Kundenbeziehungen nicht zu gefährden. Formal würden die internationalen Vorschriften zwar vielerorts anerkannt, resümiert Herzog: "Die Realität sieht aber völlig anders aus".

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