Banken
Robert McCann: Der neue Statthalter der UBS

Der Ruf der UBS-Privatbanker ist nach dem Steuerstreit mit den USA dort ramponiert. Bis zuletzt schrieb die Amerika-Sparte der Bank rote Zahlen. Dennoch haben die Eidgenossen mit Robert McCann jetzt einen Chef für die Vermögensverwaltung in Amerika gewonnen, der in der Branche einen Ruf wie Donnerhall hat.
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ZÜRICH. 26 Jahre arbeitete McCann beim Brokerhaus Merrill Lynch - das heute Teil der Bank of America ist - und führte dort die "thundering herd" von 17 000 Brokern. Mit anderen Worten: UBS-Chef Oswald Gruebel hat einen erstklassigen Mann für sein Amerika-Geschäft gefunden - obwohl er die Sparte eigentlich nicht mehr zum Kerngeschäft zählt.

McCann beeilte sich denn auch, in seiner ersten Telefonkonferenz klarzustellen, dass die UBS-Tochter in den USA nicht zum Verkauf steht. "Mein Ziel ist es, die beste Vermögensverwaltung auf dem amerikanischen Kontinent aufzubauen", sagte der 51-jährige Amerikaner.

Die Verpflichtung von McCann war lange avisiert worden, zog sich jedoch wegen eines Streits mit seinem alten Arbeitgeber hin. Bank of America wollte den Manager nicht einfach zu einem direkten Konkurrenten ziehen lassen. Der Arbeitskonflikt wurde Anfang der Woche durch einen Vergleich beigelegt. Der gelernte Ökonom startete seine Karriere bei Merrill 1982 und wechselte 2003 als Vice Chairman zur Axa Financial in den USA. Nur sechs Monate später holte ihn das Brokerhaus mit dem Bullen im Firmenemblem wieder zurück. Nach der Übernahme durch die Bank of America war McCann zuletzt für das gesamt Brokergeschäft des Konzerns verantwortlich.

Das Geld allein kann McCann nicht zur angeschlagenen UBS gelockt haben. Das Fixgehalt von 850 000 Dollar pro Jahr ist für amerikanische Maßstäbe eher moderat. Und einen Garantiebonus gebe es auch nicht, sagte der neue UBS-Banker. Mehr reizt den Strategen offenbar das beachtliche Potenzial bei der Betreuung reicher Privatkunden. "Im High-Net-Worth-Segment beläuft sich das Potenzial allein in Nord- und Lateinamerika auf über 20 Mrd. Dollar", sagte UBS-Chef Grübel. Damit formulierte er zugleich die Erwartung an seinen neuen US-Statthalter, dass die UBS von diesem Kuchen ein großes Stück gewinnen muss.

Zuvor muss McCann allerdings das lädierte Image der Bank in den USA aufpolieren. Die Schweizer mussten nicht nur eingestehen, dass sie jahrelang reiche US-Bürger bei der Steuerflucht unterstützt haben. Sie müssen auf Druck der US-Behörden auch 4 450 vertrauliche Konteninformationen von US-Kunden an die dortige Steuerbehörde IRS überreichen. Nicht gerade eine gute Visitenkarte, wenn man das Vertrauen neuer Kunden gewinnen will. So hat die Bank im zweiten Quartal Kundengeld in Höhe von 5,8 Mrd. Franken verloren. Die UBS beschäftigt in Amerika rund 8 000 Vermögensberater, die ein Privatvermögen von fast 700 Mrd. Dollar verwalten. McCann kündigte an, dass er die Bank mit flexibleren und kostengünstigeren Strukturen wieder wettbewerbsfähig machen wolle. Ein Rezept, das er bei Merrill Lynch bereits erfolgreich angewendet hat.

Analysten bleiben jedoch skeptisch, ob der Neue die US-Sparte dauerhaft im UBS-Konzern verankern kann. Teresa Nielsen, Analystin bei der Privatbank Vontobel in Zürich, vermutet, dass die Sparte als unabhängiges Unternehmen ausgegliedert wird. Der nächste logische Schritt wäre dann ein Verkauf. UBS-Chef Grübel hat bei der Credit Suisse bereits eine ähnlich Strategie verfolgt, als der die Winterthur Versicherung erst durch den Ex-Deutsch-Banker Lenny Fischer fitmachen ließ und dann doch an Axa verkaufte.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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