Banken
UBS-Chef Grübel: Haudegen ohne Gefühle

Oswald Grübel hat vor rund zwei Monaten einen schweren Job angetreten: Als Chef der UBS soll er Vertrauen wiedergewinnen und die tief gefallene Bank sanieren. Das geht nicht ohne unangenehme Maßnahmen. Auf der Hauptversammlung musste er diese nun Vorstellen. Selbst für einen Haudegen wie ihn kein leichter Gang.

JAN DIRK HERBERMANN | GENF

Oswald Grübel fackelt nie lange. Der Konzernchef der taumelnden Schweizer UBS gab gestern mal wieder eine Kostprobe seines so unschweizererischen Charakters. "Leider kann ich Ihnen noch keine erfreulichen Nachrichten überbringen", eröffnete der 65-Jährige mit den deutschen Wurzeln den Aktionären auf der Generalversammlung, "sondern muss Ihnen weitere schlechte Zahlen und einschneidende Maßnahmen zumuten." Dann legte er los: Die UBS streicht Jobs, schreibt rote Zahlen und verliert Kundengelder in Milliardenhöhe. Grübel rattert die Botschaft herunter. Die schlitzigen Augen verengen sich noch mehr. Ohne Gefühl.

Seit Februar lenkt Grübel die Geschicke der UBS - er ist, so hoffen sie es innerhalb und außerhalb des Konzerns, der richtige Mann für die wohl turbulenteste Phase in der Geschichte des Traditionshauses. "Ich bin froh, dass wir nun einen kraftvollen Typen an der Spitze haben", sagt die oberste UBS-Personalvertreterin, Elli Planta. Der Präsident der Bank Bellevue, Walter Knabenhans, bescheinigt ihm: "Grübel ist ein Glücksfall für die UBS. Nur wenige eruieren und beheben Ineffizienzen so rasch wie er." Sein Meisterstück lieferte Grübel als Chef des UBS-Rivalen Credit Suisse: Nach Milliardenverlusten schaffte er den Turnaround. Dann ging er in Pension - bis die UBS ihn zurückholte.

Jetzt muss der Neue das einstige Flaggschiff der Schweizer Hochfinanz auf Kurs bringen. Gleich an seinem ersten Arbeitstag sprach Grübel dann auch Klartext. Auf die Bank kämen "erhebliche Kosteneinsparungen" zu, ließ er seine Untergebenen per Email wissen. Und er mahnte, auf der ganzen Welt "die geltenden Gesetze einzuhalten". Die UBS hatte in den USA etlichen Kunden geholfen, Gelder am US-Fiskus vorbei zu schleusen.

Grübel gilt als rustikaler Chef. schroff, schnoddrig, hart. Sein Credo ist simpel: Leistung, Leistung, Leistung.

Während des Zweiten Weltkriegs in Ostdeutschland geboren, lernte das Waisenkind Oswald Entbehrungen in frühen Jahren kennen. Immer hatte er aber ein Ziel: die Sonnenseite des Lebens. Nach Lehrjahren bei der Deutschen Bank in Frankfurt und Mannheim folgten Herrenjahre auf dem Londoner Parkett. Als Deputy Chairman war er bei den Investmentbankern von Credit Suisse First Boston für den Handel verantwortlich. "Der ist echt börsensüchtig, Gewinne lösen bei ihm rauschähnliche Gefühle aus", sagte ein Mitarbeiter.

Seine vielen Fans in Zürich, Genf und Lugano verzeihen ihrem "Ossi" auch die Schrullen. Grübel, den Schopf immer hart in den Nacken gekämmt, hasst Gesichtshaare und weiße Socken, Sandalen und Small Talk. Ossi schmaucht großvolumige Havannas, liebt Formel-1-Rennen, und seine Einsichten folgen oft einer simplen Mechanik. "Wenn Sie in ein Restaurant gehen, einen guten Service und eine gute Qualität erhalten, streiten Sie nicht über den Preis. Erhalten Sie aber schlechte Qualität und schlechten Service, streiten Sie über den Preis." Dass der alte Haudegen künftig gute Qualität und guten Service in der UBS bietet, glauben viele. Ob allerdings die Kunden so schnell wiederkommen, ist nicht so sicher.

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