Bankenbranche
Kehraus für Altmanager bei der HRE

Großes Stühlerücken im Aufsichtsrat der Hypo Real Estate: Bis Mitte August bekommen die Münchener nach Informationen des Handelsblatts ein neues Kontrollgremium. Die Riege der Altmanager zieht sich zurück, die unter der Führung des ehemaligen Vorstands der Deutschen Bank, Michael Endres, angetreten war, um beim Pleitekandidaten HRE zusammen mit dem Vorstand zu retten, was zu retten war.

FRANKFURT. Mit der Quasi-Verstaatlichung hat die Garde der sturmerprobten Banker ihre Pflicht erfüllt und kehrt dem Aufsichtsrat nach harten Diskussionen mit dem Neu-Eigentümer Bund und dem Vorstand wegen unterschiedlicher Ansichten den Rücken. Weder die HRE noch der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) als neuer Eigentümer wollten das kommentieren.

Neben Endres gehen zur Hauptversammlung am 13. August laut Finanzkreisen der ehemalige Vorstand der Commerzbank Bernd Knobloch, der ehemalige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Siegmar Mosdorf, der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Hans-Jörg Vetter, der Ex-Dresdner-Bank-Chef Bernhard Walter und der frühere Chef der Dekabank, Manfred Zaß. Bereits seit längerem ist klar, dass Ex-Bundesbank-Vorstand Edgar Meister durch Günther Bräunig ersetzt wird. Bräunig hat als Interimschef der Mittelstandsbank IKB und als Mitglied des Lenkungsausschusses des Soffin bereits reichlich Erfahrung mit Feuerwehreinsätzen. Einzelne Stimmen nennen ihn sogar den Chefkrisenmanager der Republik. Auch die anderen Ersatzmitglieder im Aufsichtsrat soll das Bundesfinanzministerium bereits gefunden haben. Konkrete Namen sind allerdings bislang nicht bekannt. Offenbar spielt das Ministerium mit dem Gedanken, den Aufsichtsrat von acht auf künftig zwölf Mitglieder aufzustocken. Auch die Gewerkschaften sollen vier Plätze erhalten.

Die Reibungen zwischen Aufsichtsrat, Vorstand und dem Bund waren zuletzt unüberhörbar gewesen. Für Aufsichtsratschef Endres Grund genug, seine Stirn in Falten zu ziehen. Mit ihrem Abgang fordern die Aufsichtsräte ein Zeichen für mehr Klarheit über die Zukunft der Bank: Was wird aus der inzwischen staatlichen HRE, wie wird sie aufgestellt, wer führt die Bank künftig, wie stark ist der Einfluss des Staates? Fragen über Fragen.

Zu viele für Endres, der sich etwa für eine Fusion mit der Eurohypo offen gezeigt hatte. Er widmet sich künftig wieder voll seiner Arbeit als Chef der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Bald schon Vergangenheit sind Anfeindungen, wie er sie auf der außerordentlichen Hauptversammlung der HRE in München Anfang Juni erlebte, als sich der gesammelte Frust der enteigneten Aktionäre über ihm entlud. Der 71-Jährige trug es mit Fassung. Als „alter Hase“ in diesem Geschäft, wie ihn Kollegen einstufen, versteht er es, mit derartigen Situationen routiniert umzugehen. Der heute Grauhaarige ist als Deutsch-Banker auch durch die enge Zusammenarbeit mit der ermordeten Bankierslegende Alfred Herrhausen geprägt worden.

Ein Zeichen für den Neuanfang ist der neue Name Deutsche Pfandbriefbank, unter dem Töchter des HRE-Konzerns künftig firmieren. Neue Zeiten wollen die Münchener zudem mit einer Anleiheemission einläuten. Ein neuer Pfandbrief oder eine Anleihe mit Staatsgarantie sind im Gespräch. Allerdings gilt die HRE unter vielen Bankern nur als begrenzt „kapitalmarktfähig“. Bei den konservativen Pfandbrief-Investoren, zu denen viele Versicherer gehören, ist das Vertrauen noch nicht vollständig zurückgekehrt. ax/bas/rob/yo

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