Bankfusion
Hart, aber fair

Uwe Tschäge, Betriebsratschef der Commerzbank, kämpft gegen Kürzungen und Kündigungen. Doch nun kommt auf den erfahrenen Arbeitnehmervertreter die vielleicht härteste Schlacht seiner Karriere zu: Tausende Jobs sollen nach der Fusion wegfallen.

FRANKFURT. Uwe Tschäge ist das Kämpfen um Arbeitsplätze gewöhnt, rund 9 000 Jobs fielen in den vergangenen sieben Jahren bei der Commerzbank weg. Doch jetzt kommt auf den langjährigen Betriebsratschef die vielleicht härteste Schlacht seiner Laufbahn zu. Es geht um 6 500 Jobs, die nach der Übernahme der Dresdner Bank in Deutschland wegfallen sollen - und das mit Zustimmung des Arbeitnehmervertreters im Aufsichtsrat aber ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Bis 15 Uhr am Sonntag Nachmittag hat Tschäge um diese Zusagen gerungen. Dann hatte er nach wochenlangem Tauziehen und Dutzenden von Telefonaten und Gesprächen mit Commerzbank-Chef Martin Blessing und Arbeitsdirektor Eric Strutz, das was er wollte, einen Deal. Der Inhalt : Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2011, kein Outsourcing weiterer Bankbereiche und mehr Personal für den Betriebsrat, damit auch Tschäge und die rund 400 Betriebsräte aus der Commerzbank die Mammutfusion bewältigen können.

Dafür stimmte der 41jährige Bankkaufmann im Aufsichtsrat zwei Stunden später im 49. Stock des Commerzbank-Turms für die Übernahme der Dresdner Bank.

Während unten am Mainufer beim alljährlichen Straßenfest Tausende von Frankfurtern bei Spätsommertemperaturen feierten und flanierten, gab Tschäge hoch oben hinter den getönten Panoramascheiben auch mit seiner Stimme das "Go" für den Zusammenschluss der beiden Institute. Letztlich war es die Wahl des kleineren Übels: Seine Zustimmung gegen Zugeständnisse der Gegenseite oder die "Allianz-Lösung". Deren Chefaufseher Henning Schulte-Noelle hatte am Sonntag mit seinem Doppelvotum die Abwehr der Arbeitnehmervertreter einfach niedergestimmt.

Für den als "unideologisch" und "sachorientiert" geltenden Rheinländer geht es jetzt darum, dem Vorstand in den Verhandlungen der nächsten Wochen den Erhalt so vieler Arbeitsplätze wie möglich abzutrotzen. Darin ist er erfahren, Tschäge ließ sich gleich nach dem Ende seiner Lehre bei der Commerzbank in Düsseldorf als Betriebsrat aufstellen und argumentiert seitdem mit dem ihm eigenen Beharrungsvermögen, "hart aber fair", wie selbst Arbeitgebervertreter sagen, gegen Krisen, Kürzungen und Kündigungen.

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