Bankgeheimnis
Raymond Bär - Der Datenschützer

Raymond Bär, Urenkel jener Familie, die 1890 in Zürich eine Wechselstube eingerichtet hatte, leitet den Verwaltungsrat der Julius-Bär-Gruppe. Der Vater schrieb einst ein Buch, in dem er das Schweizer Bankgeheimnis angriff, was die Banker "faul und impotent" mache. Der Sohn ist da etwas anderer Meinung.

In Bern ist es nicht immer bequem. Besonders in diesen Tagen, wenn gleich eine halbe Abteilung aus dem deutschen Finanzministerium einfliegt und mit der eidgenössischen Steuerverwaltung darüber redet, was vom Schweizer Bankgeheimnis übrig bleiben soll.

In der "Welle" geht es deutlich bequemer zu. Im dritten Stock des wellenförmigen Frankfurter Bürohauses sitzt im Raum "Matterhorn" Raymond Bär, entspannt, gebräunt, gewelltes Haar, Lederarmband hinter der teuren Uhr. "Ich bin für eine Diskussion der Hochsteuerthematik unter ethischen Aspekten", sagt er und fragt: "Was ist denn die Gegenleistung des Staates für den Bürger?" Dabei lächelt er so freundlich, als könne er niemandem ein Haar krümmen.

Der Urenkel jener Familie, die 1890 in Zürich eine Wechselstube eingerichtet hatte, leitet inzwischen den Verwaltungsrat der Julius-Bär-Gruppe, die es zur drittgrößten Bank der Schweiz gebracht hat. Rund 90 Mrd. Euro verwaltetes Vermögen und ein Reingewinn, der zwar auch schon mal höher war, aber zuletzt mehr als 200 Mio. Euro betrug, sind rein technische Argumente zuzuhören, wenn der Spross der alteingesessen Bankiers-Familie etwas zum Bankgeheimnis zu sagen hat.

Und dann ist da auch noch jenes aufsehenerregende Buch des Vaters, der schon vor einem halben Jahrzehnt das Bankgeheimnis als Idee bezeichnete, die die Schweizer Banker "faul und impotent" mache, und das in diesen Tagen auch für großes Interesse an der Person des 50-jährigen Bankiers sorgt.

Natürlich habe es in der Familie Diskussionen um das Buch gegeben, berichtet Bär. Und schnell wird deutlich, dass der Sohn mit dem Vater nicht ganz einer Meinung gewesen sein kann. "Die Anonymität der Kunden muss gesichert bleiben. Wir wollen keine Schauprozesse", stellt Bär mit Blick auf die in den USA drohenden Verfahren fest. Und holt dann zur Breitseite gegen die Verhandler aus dem deutschen Finanzministerium aus: "Deutschland schimpft über die Orwellsche Welt, wenn es um den Datenschutz geht, aber Deutschland schweigt zum mangelnden Datenschutz bei finanziellen Transaktionen", moniert er.

Der Bär-Spross ist also auf Krawall gebürstet. Zumindest aus offizieller deutscher Sicht. Dass es vielleicht in diesem Land noch eine andere Sicht geben könnte, vermutet Bär zumindest. Nicht ohne Grund eröffnet sein Bankhaus jetzt eine fünfte deutsche Filiale, diesmal in München. "Das deutsche Bankensystem", sagt Bär und lehnt sich nach vorne, um seiner Feststellung noch mehr Gewicht zu verleihen, "ist gestresst. Da muss es Chancen für uns geben."

Dass der Bankier auf diese Art Lobbyarbeit betreibt, die Frankfurter Welle und die Handelsblatt-Bankentagung um die Ecke nicht auslässt und in einer heiklen Phase so ganz unschweizerisch-offensiv für seinen Standpunkt wirbt, hat natürlich auch damit zu tun, dass die großen Vermögensverwalter aus dem Nachbarland mit Argusaugen verfolgen, was sich bei der Konkurrenz in Deutschland tut. Und dabei ist ihnen seit Wochen Sal.Oppenheim aufgefallen. Das Schicksal des einst so vornehmen Kölner Bankhauses, das jetzt voraussichtlich nur mit Hilfe eines Großinvestors namens Deutsche Bank teilweise erhalten bleiben kann, erschüttert die Branche. Parallelen zum eigenen Institut sieht Bär überhaupt nicht. "Das Geschäftsmodell von Sal. Oppenheim ist völlig anders als unseres", sagt er. Bär habe zum Beispiel kein Investment-Banking. Auch von Krise will er nichts wissen, er ist optimistisch: "Für uns Vermögensverwalter", sagt der Erbe einer Dynastie, die schon andere Stürme überstanden hat, "sind die düstersten Tage vorbei."

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