Bankhaus Goldman Sachs
„Hier wird kein Talent vergeudet“

Bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs scheint es sich um ein Angestelltenparadies zu handeln. Bei Mitarbeiterbefragungen schneidet das Haus immer wieder besonders gut ab. Die geforderte Flexibilität kann es nicht sein, das gnadenlose Aussieben genausowenig. Was ist das Gemeinnis von "GS"?

HB NEW YORK. Unter den aufstrebenden Managern in New York City macht eine Anekdote die Runde. Eine, die ein wenig an die Comic-Gallier Asterix und Obelix erinnert. Demnach, so tuscheln die Herren in den Anzügen und die Damen in grauen Kostümen, sei die gesamte Stadt von bösen Bossen umstellt. Die gesamte Stadt? Nein, eine kleine, feine Firma im Herzen von Manhattan scheint die große Ausnahme zu sein. Sie heißt Goldman Sachs (GS).

Kein Abend vergeht, da nicht in einer teuren Kneipe nahe der Wall Street ein „nettes Betriebsfest der Herrn und Damen in den weißen Oberhemden gefeiert wird“, wie nicht nur der grantelige und schon seit längerem unzufriedene Charles-Schwab-Berater bemerkt.

Angestelltenparadies Goldman Sachs: Tatsächlich schneidet GS, eine der Big Five der US-Investmentbanken in Rankings wie Mitarbeiterbefragungen immer wieder besonders gut ab – wiederholt Platz eins als angesehenster Arbeitgeber von Investmentbankern, wie das renommierte US-Internetkarriereportal Vault ermittelte. „Die beste Firma, für die ich je gearbeitet habe“, posaunt Managing Director Timothy Cole. „Einfach nur geiles Arbeiten“, meint Alison Boot.

Aber was ist das Geheimnis des „perfekten Arbeitsplatzes“? Wie schaffen es die Bosse, ihre 21 000 Mitarbeiter so sehr zu motivieren, dass auch nach 136 Jahren – so lange gibt es die Bank schon – ein steter Bewerberansturm anhält? Die langen Arbeitszeiten können es nicht sein. Die geforderte Flexibilität – heute New York, morgen vielleicht Tokio – auch nicht. Und der Druck, den der goldene Visitenkarteneinstich „Goldman Sachs“ auf dem Briefumschlag mit sich bringt, ganz bestimmt nicht, oder? Immerhin muss sich jeder bei GS einmal im Jahr einem so genannten 360-Grad-Rundum-Feedback unterziehen. Und die „Bottom Five Percent“, die unteren fünf Prozent, müssen sofort ihren Schreibtisch räumen. Der Rest der Mannschaft aber, kann sich auf eine Beförderung, auf besondere Bonbons, auf weiterführendes Training und ein Jahr „voll schöner Entwicklungen freuen“, frohlockt GS-Chef Henry Paulson.

Oder ist es das Klima? Bei GS wird nicht hinter dem Rücken anderer getuschelt, heißt es. Die Firmenkultur basiert auf gnadenloser Ehrlichkeit und sportlichem Ehrgeiz, „immer der Beste in seinem Feld zu sein“, erklärt Paulson die Betriebsphilosophie. Kein Wunder, dass sich viele Ex-Sportler wie die Tennis-Spielerin Anouschka Kimpel oder der Ruder-Olympiasieger Mike Evans hier so wohl fühlen. „Bei uns arbeiten Leute, die mit dem Wettkampf groß wurden und noch immer einen Kick kriegen, wenn sie mit anderen konkurrieren“, beschreibt Evans, der bei GS das globale Aktiengeschäft betreut.

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