Bankhaus Lampe
Richard Oetkers erster großer Coup

Das Bankhaus Lampe will für die Frankfurter BHF-Bank bieten. Der erste Paukenschlag, seitdem Richard Oetker zum Jahreswechsel 2010 die Konzernführung von seinem älteren Bruder August Oetker übernahm. Der Kauf würde Oetker flexibler machen.
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FRANKFURT. Die Überraschung ist ihm gelungen: Richard Oetker steht vor der ersten großen unternehmerischen Entscheidung, seit er den Bielefelder Familienkonzern leitet. Das Bankhaus Lampe will für die Frankfurter BHF-Bank bieten. Die Tochtergesellschaft der Oetker-Gruppe gehört nach eigenen Angaben zum Kreis der Kandidaten, die bereits in die Datenräume der BHF-Bank vorgelassen wurden. Mit so einem Paukenschlag hatte wohl kaum jemand gerechnet.

Als der 59-Jährige zum Jahreswechsel 2010 die Konzernführung von seinem älteren Bruder August Oetker übernahm, kündigte er noch an, dass es unter ihm keine großen Veränderungen geben werde. Zu der Unternehmensgruppe gehören neben der Kernmarke Dr. Oetker die Bierbrauerei Radeberger, die Sektkellerei Henkell, die Reederei Hamburg Süd und eben das Bankhaus Lampe.

Da mit Richard Oetker an der Spitze nicht mit umwälzenden Neuerungen zu rechnen war, wollte ein Teil des Familienclans eigentlich junges Blut auf dem Chefsessel sehen. Das scheiterte aber am Votum des Beirats. Mit der geplanten Ausweitung des Bankgeschäfts zeigt Richard Oetker aber nun, dass auch er Mut für neue Ideen hat. Um die Deutsche-Bank-Tochter will sich das Bankhaus Lampe gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR bemühen, der wohl schon länger zu den Interessenten zählt. Die inhabergeführte Privatbank Lampe, die bisher nur über ein Geschäftsvolumen von 3,7 Mrd. Euro verfügt, würde mit dem Kauf der deutlich größeren BHF-Bank schlagartig in eine andere Liga aufsteigen.

Innerhalb der Oetker-Gruppe würde der Kauf für eine stärkere Diversifizierung sorgen. Die anderen Sparten, vor allem die Schifffahrt und das Biergeschäft, liefen in den letzten Jahren nicht immer rund. Ob eine Bank der richtige Weg ist, für mehr Stabilität zu sorgen, bleibt abzuwarten. Zumindest kann niemand Oetker mehr vorwerfen, dass er nichts ausprobiert. Denn Kritiker haben dem studierten Brau- und Agrarwissenschaftler, der seit einer Entführung im Jahr 1976 körperlich gezeichnet ist und viele Jahre zurückgezogen gelebt hat, lange Zeit nicht zugetraut, die Gruppe überhaupt zu führen.

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