Bankier Martin Ebner kann wieder von vorn anfangen
Zurück auf Los!

Der Schweizer Bankier Martin Ebner kann wieder durchatmen. Die Krise an der Börse hatte 2002 seine BZ-Holding in finanzielle Schielflage gebracht. Ebners Gläubiger haben ihm jetzt einen Teil der Schulden erlassen.

Das Wasser hat ihm bis zur Fliege gestanden, die er einmal halb ironisch, halb von Eitelkeit getragen als sein „Zeichen von Kompetenz im Finanzbereich” beschrieben hat. Martin Ebner, 57 Jahre alt, schmale Figur, blasses Bubengesicht, hat jedoch auch diese Flut ausbaden können, nachdem ihm seine Gläubiger jetzt einen Teil der Schulden erlassen haben.

Der Schweizer Bankier, der so schüchtern wirken kann, den seine Mitarbeiter bei der BZ Holding aber als knallharten Chef und eiskalten Finanzjongleur kennen gelernt haben, dieser Martin Ebner ist nun wieder da, wo er vor beinahe 20 Jahren angefangen hatte. Damals, 1985, war der stets so treffsichere Zahlenjongleur beim renommierten Bankhaus Vontobel in Zürich geschasst worden. Einige Mitarbeiter dürften aufgeatmet haben – vor allem diejenigen, die einmal in der „Freitagabend-Andacht” vom Chefanalysten Ebner vor versammelter Runde für den Patzer der Woche getadelt worden waren.

Sein Abgang bei Vontobel war der Anfang seines Aufstiegs. Der Jurist und promovierte Ökonom lieh sich damals sieben Millionen Franken, verbündete sich mit einer Stockholmer Börsenmaklerfirma und einem Winterthurer Handelshaus und gründete sein eigenes Geldinstitut: die Bank Zürich. Sein Kumpel Christoph Blocher, heute milliardenschwerer Chemieunternehmer und polternd-konservativer Politiker, hatte ihm mächtig zugeraten. Die beiden kannten sich aus Studienzeiten. Ebner faszinierte Blochers mitreißende Rhetorik. Blocher wiederum schätzte den messerscharfen Verstand des fünf Jahre jüngeren Kommilitonen.

Als Robin Hood der Bankenszene beginnt Ebner damals seinen Durchmarsch an die Spitze des Schweizer Finanzplatzes. Anlegern macht er klar, dass es ihre Interessen sein müssten, nach denen sich Firmenchefs zu richten haben. Interessen, die er, Ebner, der sich in zahlreiche Aufsichtsräte katapultiert, natürlich vertreten werde

. „

Aktien verändern ihr Leben”, ruft er gläubigen Kleinanlegern zu, die ihn bei Auftritten in rammelvollen Turnhallen wie einen Messias verehren. Von Finanzanalysten lässt er sich als Reformer feiern, der endlich unter den eidgenössischen Firmen das Shareholder-Value-Denken durchgesetzt hat. Tatsächlich nutzt Ebner in der Schweiz damals unübliche Finanzinstrumente, um seinen Höhenflug zu finanzieren.

Nachbarn wurden vorsichtiger

Laut Steuerregister seiner Heimatgemeinde Freienbach am oberen Teil des Zürichsees musste Ebner in seinen guten Jahren ein jährliches Einkommen von 17 Millionen Franken sowie ein Privatvermögen von rund fünf Milliarden Franken versteuern. Dieser Reichtum bescherte selbst seiner Familie Schwindelgefühle. „Wie man so viel Geld machen kann, das ist mir schleierhaft”, ließ sich Bruder Toni zitieren.

Apropos Freienbach: Dorthin war der kühle Rechner 1997 umgesiedelt, weil er an seinem Wohnsitz in Zürich 20 Millionen Franken mehr an Steuern hätte zahlen müssen. Die Nation empörte sich, und Berns Finanzminister Kasper Villinger schalt ihn mit den Worten: „Legal, aber verwerflich.” Die Freienbacher dagegen jubelten, dass sie den „größten Steuerzahler der Schweiz“ (Ebner über Ebner) begrüßen durften.

Inzwischen sind die Nachbarn des rotverklinkerten Anwesens, in dem Ebners Firmenimperium residiert, vorsichtiger geworden. Die Talfahrt der BZ-Gruppe treibt Gemeindepräsidentin Hedy Jager-Stählein Sorgenfalten auf die Stirn: „Wir haben uns natürlich schon Gedanken gemacht“, sagt sie und kündigt an, dass in Freienbach wohl die Steuersätze angehoben werden müssten.

Ebner ist in den vergangenen drei Jahren Opfer jener Baisse an der Börse geworden, die durch den Zusammenbruch von Spekulanten wie ihm um so heftiger ausgefallen ist. Die Börse spülte nicht mehr genügend Geld in seine Kasse, um die Kredite zu finanzieren. Als die Schulden zu sehr drückten, musste er unter Einstandspreis verkaufen. Zunächst für geschätzte 500 Millionen Franken seine Visions-Gesellschaften, über die er Beteiligungen hielt etwa am Pharmakonzern Roche, am Elektroriesen ABB, an der Credit Suisse und, und, und.

Zwar hatten ihm die Banken – wohl mehr, weil sie Ebner mit günstigen Zinssätzen gefördert hatten und nun bohrende Fragen befürchten mussten – ein Stillhalteabkommen gewährt. Doch diese Abmachung war bis gestern befristet. Bis dahin, so wird geschätzt, hätte Ebner an die drei Milliarden Franken an das Konsortium zurückzahlen müssen, zu dem die Landesbank Baden-Württemberg, die WestLB sowie Credit Suisse gehörten. „Ebner ist angezählt und hat bald ausgezählt“ unkten Börsianer vor zwei Wochen.

Doch sie haben sich getäuscht – im Gegensatz zu Freund Blocher, der voraussagte: „Ebner wird wiederkommen.“ Zäh hatte der Bankier mit seinen Gläubigern verhandelt und ihnen beinahe all seine Beteiligungen überlassen. Dass die Banken auf Forderungen in Höhe von 700 bis 900 Millionen Franken verzichtet haben sollen – darüber wollte gestern niemand reden.

Für Ebner ist wichtig, dass seine BZ-Gruppe den Banken nichts mehr schuldig ist, zumindest kein Geld. Er wird nun mit seiner auf bis zu 600 Millionen Franken geschätzten Beteiligung an der Schweizer Immobilienfirma Intershop und dem Geld aus einer geplanten Kapitalerhöhung das tun, was er schon immer getan hat: Monopoly spielen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%