Barbara Schädler leitet Marketing von Fujitsu Siemens
Steiler Aufstieg in der Männerdomäne

Die IT-Industrie ist nicht gerade reich an weiblichen Führungskräften. Sicher, da gibt es Carly Fiorina, die Chefin des kalifornischen Computerriesen Hewlett-Packard, und Anne Mulcahy, die seit drei Jahren den US-Technologiekonzern Xerox führt. Doch sonst?

MÜNCHEN. Zugegeben, ganz so weit nach oben wie ihre amerikanischen Kolleginnen hat es die 42-jährige Barbara Schädler bisher nicht geschafft. Doch die gebürtige Mainzerin ist Marketing- und Kommunikationschefin von Fujitsu Siemens Computers (FSC), Europas größtem PC-Produzenten. Die Volkswirtin sitzt als einzige Frau im Top-Führungsgremium des Gemeinschaftsunternehmens, in dem die Technologiekonzerne Siemens und Fujitsu ihr europäisches Computergeschäft gebündelt haben. FSC ist Marktführer in Deutschland und erzielte im ersten Halbjahr einen Umsatz von 2,56 Milliarden Euro.

Während die Männer den Ton in Technik und Produktion angeben, sorgt Schädler dafür, dass die passenden Botschaften an die Käufer gesendet werden. Dazu dirigiert die sportliche Frau mit dem braun-blonden, schulterlangen Haar mehr als 400 PR- und Marketing-Spezialisten in 30 Ländern in ganz Europa, dem Nahen Osten und Afrika.

Theo Waigel hatte ihr Potenzial als Erster erkannt. Der CSU-Politiker machte sie schon 1994, damals war sie 32 Jahre alt, zu seiner Sprecherin im Bundesfinanzministerium und zur Chefin der Pressestelle. Der frühe Erfolg war kein Zufall. Es mache ihr Spaß, „intensiv zu arbeiten“, sagt Schädler über sich selbst und meint damit: Unter der Woche gibt es für sie nur Büro, Sitzungen, Dienstreisen; und das von morgens bis spät in den Abend.

Kollegen attestieren ihrer zielstrebigen Chefin, dass sie gut motivieren könne. Und sie habe trotz des Stresses „ noch nie einen unserer Geburtstage vergessen“, sagt eine Mitarbeiterin, die eng mit ihr zusammenarbeitet. Und noch etwas zeichne sie aus: „Sie setzt sich dafür ein, dass Frauen einen verantwortungsvollen Job und ihre Familie unter einen Hut bekommen.“

Nachdem die schwarz-gelbe Koalition die Wahl 1998 verloren hatte und sich Theo Waigel als Finanzminister verabschiedete, verließ auch Schädler die Ministerialbürokratie, gab ihren Beamtenstatus auf und wechselte zum Stromerzeuger RWE. Nur anderthalb Jahre später ging sie zum gerade gegründeten Münchener Computerbauer FSC. Dort leitete sie die Kommunikationsabteilung und übernahm 2002 zusätzlich das Marketing. Als eine ihrer ersten Amtshandlungen musste sie 180 Stellen streichen.

Schädler versichert, dass sie die große Karriere nie im Blick gehabt habe. Ihr Ziel sei eine große Familie gewesen. Das ist ihr auch gelungen. Durch ihre Heirat hat sie nun drei erwachsene Stiefkinder und ein Stief-Enkelkind. Für sie kocht sie gerne am Wochenende in ihrem Haus südlich von München. Und ärgert sich, „wenn es nicht so perfekt ist, wie ich es gerne hätte“.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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