Barclays-Chef
John Varley: Die Sphinx vom Churchill Place

Als John Varley 2004 die Geschicke der Barclays Bank übernahm, war nicht klar, ob er die Kraft für große Taten hat. Große Pläne hegt er, wie es seine Art ist, lieber im Stillen. Die Gespräche mit ABN Amro haben seine Strategie nun endlich offen gelegt.

mth Man wusste, dass rechnen kann, als er im September 2004 die Geschicke der Barclays Bank übernahm. So gab es zwar rote Köpfe als herauskam, dass der Bankchef die Hypothek für seine private Wohnimmobilie von der Konkurrenzbank HSBC hatte. Überrascht war niemand. Man sah, dass der Mann einen kühlen Kopf behalten kann.

Weniger klar war, ob er die Kraft für große Taten hatte. 1981 hatte der Oxford-Absolvent in die Familie der einstigen Bank-Mitbegründer, der Quaker-Familie Thorn Pease, eingeheiratet. Ein Jahr später trat er in die Bank ein. Viele waren überrascht, dass Varley sich im Wettlauf an die Spitze gegen den schneidigeren Amerikaner Bob Diamond durchsetzte, den Chef von Barclays lukrativer Investment-Banking- Tochter Barclays Capital.

Varley, 50 Jahre, Inbegriff des patriarchalischen britischen Establishmentbankers, ein Mann der alten Schule, diskret, wohlerzogen, korrekt und sparsam, verbreitet Vertrauen.

Im Stillen hegte er große Pläne. Kurz vor seiner Ernennung setzte er sich mit den Barclays-Aufsichtsräten auseinander: Strategisches Ziel der Bank müsse sein, sich einen Platz unter den fünf führenden Banken der Welt zu erobern. In Interviews schwärmte er von organischem Wachstum: „Muss man Unternehmen zukaufen, um Raketentreibstoff in den Wachstumstank für Profite zu füllen? Keineswegs“, dozierte der Banker. Er war mit der Wachstumsquote von Barclays unzufrieden und versprach, die „Metabolismusrate“ der Bank zu beschleunigen. Erwerbungen wollte er nicht ausschließen. Mehr sagte er nicht. „Ich halte es mit der Sphinx. Ich lächle und schweige.“

Die Gespräche mit ABN Amro haben die Strategie nun klar gemacht. Varley glaubt, dass die Welt der Banken in Zukunft von einer Hand voll großer Spieler beherrscht sein wird – und er will dazugehören.

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