Barclays-Mann Roger Jenkins Londons mysteriöser Superbanker

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Die City hat dem hageren Mann, mit dem markanten kahlen Schädel den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Dodger“ verpasst. Das kann man wahlweise mit „Herumtreiber“ oder mit „Schwindler“ übersetzen, tatsächlich lässt sich Jenkins Alias aber auf den „Tax-Dodger“, den Steuerhinterzieher zurückführen. Jenkins Team entwickelt für Barclays und die Kunden der Bank komplexe Finanzierungsstrukturen, die sicherstellen sollen, dass bei Übernahmen und anderen Transaktionen möglichst wenig Geld an den Fiskus fließt. Jede größere Bank unterhält solche Structured-Finance-Teams, aber nicht nur Jenkins Gehalt, auch sein Spitzname, zeigt, dass die Barclays-Mannschaft zu den erfolgreichsten Spielern auf diesem Feld zählt, mit völlig legalen Methoden übrigens.

Der heute 51-jährige Jenkins gilt in der Londoner City als ausgesprochen ehrgeizig und detailversessen. Gewinnen wollte er schon früher. 1973 trat der Schotte bei den internationalen britischen Meisterschaften für sein kleines Heimatland im 400-Meter-Lauf an und holte immerhin die Bronzemedaille. Gold ging an seinen Bruder David, das damalige Wunderkind der britischen Leichtathletik. David Jenkins gewann einen Europameistertitel über 400 Meter und holte 1972 in München die Silbermedaille über diese Distanz, bevor er des Dopings überführt wurde und wegen des Handels mit Steroiden und anderen verbotenen Substanzen sogar für zehn Monate ins Gefängnis musste. Heute ist David Jenkins ein erfolgreicher Geschäftsmann, der ironischerweise mit Sportlernahrung sein Geld verdient. Jenkins, der Banker, ist heute noch stolz darauf, dass die Rekorde, die er und sein Bruder als Schüler aufgestellt haben, nach wie vor halten.

Bei Jenkins anderem Rekord, seinem enormen Gehalt, hebt sich selbst in der in Sachen Bonuszahlungen an vieles gewöhnten Londoner City die ein oder andere Augenbraue. Nach den fetten Jahren der Vergangenheit stehen die Banker in der Finanzmetropole ohnehin unter Rechtfertigungsdruck. 2006 überwiesen die Geldhäuser in der City ihren Angestellten 8,8 Mrd. Pfund, das ist mehr als die Wirtschaftsleistung von Island. Gegenüber dem ohnehin schon guten Vorjahr verdienten die Banker noch einmal gut 18 Prozent mehr. Das weckt Neid und Missgunst und ruft sogar die Politik auf den Plan. Die stellvertretende Vorsitzende der Labourpartei, Harriet Harrma, nannte die Zahlungen im vergangenen Jahr „übertrieben und lächerlich“.

Aber glaubt man den hartnäckigen Spekulationen in der Finanzszene, dann hat Barclays durchaus Grund, seinem bestbezahlten Angestellten dankbar zu sein. In den schwierigen Zeiten nach dem Platzen der großen Aktienblase 2001 soll vor allem Jenkins Mannschaft dafür gesorgt haben, dass das Investment-Banking von Barclays schwarze Zahlen schrieb. 2002 soll Jenkins Team mehr als 100 Prozent der Gewinne von Barclays Capital eingefahren haben. Was natürlich heißen würde, dass der Rest der Investmentbanker in diesem Jahr Verluste angehäuft hätte. Auch diese Zahlen sind unbestätigt, aber sie machen den Mythos des Barclays-Banker noch eine Spur interessanter.

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