Barclays und ABN einig über Fusion
Die Köpfe hinter dem Milliarden-Deal

Mit der spektakulären Übernahme der niederländischen Großbank ABM Amro durch den britischen Konkurrenten Barclays wird der Bankenmarkt in Europa neu geordnet. Beide Geldinstitute gaben am Montag die größte Bankenfusion aller Zeiten bekannt. Wer die entscheidenden Personen bei der Milliarden-schweren Übernahme sind, lesen Sie hier:

John Varley

Ausgerechnet John Varley. Jahrelang predigte der Chef der britischen Bank Barclays Zurückhaltung bei großen Übernahmen. Jetzt versucht sich der konservative Brite am größten Zukauf in der Finanzgeschichte. Wenn alles gut geht wird der 51jährige schon bald der Chef der fünftgrößten Bank der Welt sein. Viele hätten Varley das nicht zugetraut, auch Experten stempelten den Manager als „Langweiler" und „risikoscheu" ab.

Der Oxford-Absolvent ist der Inbegriff des patriarchalischen britischen Establishmentbankers. 1981 hatte er in die Familie der einstigen Barclays-Mitbegründer, der Quaker-Familie Thorn Pease, eingeheiratet. Ein Jahr später trat er in die Bank ein.

Varley gilt als Manager der alten Schule, diskret, wohlerzogen, korrekt und sparsam. Ein Banker der Vertrauen verbreitet. Weniger klar war, ob er auch ein Mann für große Taten war. Doch im Stillen hegte er große Pläne. Kurz vor seiner Ernennung setzte Varley sich mit den Barclays-Aufsichtsräten auseinander: Strategisches Ziel der Bank müsse sein, sich einen Platz unter den fünf führenden Instituten der Welt zu erobern. Der neue Chef wollte es nicht bei dem Erfolg des Investmentbanking von Barclays Capital belassen, sondern die Expansion des Filial- und Kreditkartengeschäftes vorantreiben. Varleys erklärtes Ziel war es, mehr als die Hälfte des Ertrages des Konzerns im Ausland zu erwirtschaften und die Bank unabhängiger vom Heimatmarkt aufzustellen – jetzt steht er kurz vor seinem Ziel. Dafür muss der Musterbrite allerdings nach Amsterdam umziehen. „Unsere neue Zentrale wird hier sein und ich werde hier sein. Das gehört sich so für einen guten Direktor“, gab Varley gestern zu Protokoll

Bob Diamond

Zweiter mächtiger Mann des neuen Bankenriesen wird Bob Diamond werden. Viele waren überrascht als der dynamische Amerikaner das Rennen um den Chefsessel von Barclays gegen den vermeintlich blassen Varley verlor. Keine andere britische Großbank hat in den vergangenen Jahren aus eigener Kraft ein so erfolgreiches Geschäft im Investmentbanking aufgebaut wie Barclays. Dafür ist vor allem der 55jährige Diamond verantwortlich. Der von ihm geführte Bereich steuert inzwischen 44 Prozent zum Vorsteuergewinn von Barclays bei. Vor allem im Anleihegeschäft machte Diamond die britische Bank zu einer Weltmacht. Der Amerikaner startete seine Karriere als Dozent an der Universität von Connecticut bevor er nach Stationen bei Credit Suisse und Morgan Stanley 1996 bei Barclays anheuerte. Auch wenn er beim Kampf um die Konzernspitze Varley den Vortritt lassen musste, gilt Diamonds Machtposition bei Barclays als nahezu unangreifbar. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass die britische Bank ihrem Chef-Investmentbanker bereits vor zwei Jahren zusicherte, er werde seine Position behalten, falls es zum Zusammenschluss mit einem Konkurrenten kommen sollte.

Seite 1:

Die Köpfe hinter dem Milliarden-Deal

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%