Basketballfreund gelingt guter Wurf
Deutsch-Banker Neske steht vor Karrieresprung

Mit der De-Facto-Übernahme der Postbank ist es dem Privatkundenchef der Deutschen Bank, Rainer Neske, gelungen, seinen jahrelang in der zweiten Reihe stehenden Bereich endlich auf eine Stufe mit dem Investmentbanking zu stellen – und die eigene Position in der Bank zu stärken.

FRANKFURT. Noch vor kurzem dürfte Rainer Neske beim Gedanken an Bonn ein wenig Frust verspürt haben. Denn zuletzt unterlagen die von der Deutschen Bank gesponserten Skyliners aus Frankfurt schließlich um Haaresbreite den Telekom Baskets Bonn. Dass die ehemalige Bundeshauptstadt künftig dem Basketball-Fan mehr Freude bereiten wird, liegt nicht am Sport.

Es steht außer Frage, dass der 43-jährige Neske kräftig Überzeugungsarbeit leisten musste. Glaubt man Mitarbeitern, ist genau das eine der großen Stärken des gebürtigen Münsteraners. „Neske ist nicht der große Show-Master, aber er kann Menschen mitnehmen und motivieren“, heißt es. Sein Auftreten ist unprätentiös, locker, fast jugendlich. Von der Dünkelhaftigkeit manchen Deutsch-Bankers ist bei ihm nichts spüren.

Dabei hat auch Neske sein gesamtes Berufsleben beim heimischen Branchenprimus verbracht. Wobei seine Karriere ungewöhnlich verlief. Als studierter „Diplom-Informatiker“ beginnt Neske 1990 bei der Deutschen Bank in der IT. Erst acht Jahre später wird er in das Managementteam der Abteilung Zahlungsverkehr berufen. Kurze Zeit darauf wechselt er ins Privat- und Geschäftskundensegment. Im Jahr 2000 wird er schließlich Vorstandsmitglied der Deutschen Bank 24. Die Ausgliederung des Bereichs, die Proteste verprellter Kunden und das Scheitern der Pläne erlebt er hautnah mit. Nach der Wiedereingliederung des Segments wird er im Frühjahr 2003 zum Mitglied des erweiterten Vorstands, dem Group Executive Committee (GEC), berufen. Da ist er noch nicht einmal 40 Jahre alt. „Ich glaube, manchmal ist Neske selbst überrascht, wie schnell er nach oben gekommen ist“, sagt einer, der ihn kennt.

Von da an setzt Neske auf Expansion – nicht in großen Sprüngen, dafür beharrlich. Egal, ob Berliner Bank, den Aufbau der Zweitmarke Norisbank oder den Einstieg in die Wachstumsmärkte China und Asien: Neske weiß, dass Retail-Banking viel Geduld und noch mehr Detailkenntnis verlangt. Von der Finanzkrise profitiert er sogar. Nach Milliardenverlusten sind es nicht mehr die Investmentbanker, sondern die „stabilen Bereiche“, die im Rampenlicht stehen.

Letzteres versucht er so weit wie möglich zu meiden. Über sein Privatleben ist nur bekannt, dass er drei Kinder hat und eine Leidenschaft für Autos – vorzugsweise BMW. Nicht erst seit dem Postbank-Deal räumen ihm manche Chancen auf den Chefsessel der Deutschen Bank ein, wenn Josef Ackermann im Mai 2010 den Posten räumen sollte. Ob es so kommt, muss sich noch zeigen. Doch schon heute ist klar: Sein Einfluss in der Bank ist mit der Übernahme in Bonn deutlich gestiegen.

Rainer Neske

1964: Rainer Neske wird am 7. Oktober in Münster geboren.

1990: Abschluss des Studiums der Informatik und Betriebswirtschaft in Karlsruhe als „Diplom-Informatiker“. Neske tritt bei der Deutschen Bank im IT-Bereich an.

1998: Berufung ins Managementteam des Bereichs Transaction Services.

2000: Vorstandsmitglied der Deutschen Bank 24.

2001: Stellvertretender Vorstandssprecher der Deutschen Bank 24.

2003: Neske wird Mitglied des Group Executive Committee und verantwortet das weltweite Privatkundengeschäft.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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