Bau von Stadtteil
Das Phantom von Ikea

Die Ankündigung sorgte für Furore: Harald Müller, Manager bei Inter Ikea, will in Hamburg einen Stadtteil bauen. Doch das Unternehmen rudert zurück – und gibt kaum Informationen über den Manager heraus.
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DüsseldorfKaum ein Manager ist in den Medien derzeit so präsent wie Harald Müller. Der Mann mit dem deutschen Namen arbeitet für die Inter Ikea Holding, ein Schwesterunternehmen des schwedischen Möbelriesen Ikea - und er hat Großes vor: Mindestens 100 Studentenwohnheime und Budget-Designhotels will er in ganz Europa bauen. Für Aufsehen sorgte auch seine Ankündigung, in Hamburg einen ganzen Stadtteil zu planen. „Wir wollen den Markt aufrütteln", sagte Müller in einem Interview.

Trotz der Präsenz seiner Worte, über seine Person ist wenig bekannt. Von Müller gibt es kein Pressefoto, Inter Ikea hat keinen Lebenslauf des Managers vorliegen, kann nicht einmal sein Alter nennen. Müller selbst war auf seinem Handy nicht zu erreichen, auf eine an ihn gerichtete Mailanfrage antwortete schließlich die Pressestelle der Inter-Ikea-Gruppe.

Seine Büroanschrift hat der „Business Development Manager" im belgischen Waterloo. Journalisten, die ihn zitieren, haben ihn per Mail oder telefonisch erreicht - getroffen haben sie ihn nicht. Immerhin: Am Telefon sei er sehr umgänglich, sagen sie.

Fragezeichen stehen auch hinter Müllers Ankündigungen. „Wir möchten einen Stadtteil bauen, von dem Hamburg profitiert", zitierte ihn unlängst eine Regionalzeitung. Müller suche bereits ein fünf Hektar großes Areal in der Hansestadt. Inter Ikea widersprach postwendend. Es gebe keine konkreten Pläne für Hamburg.

Sicher ist: Die luxemburgische Holding Inter Ikea hat ein gewaltiges Vermögen, das sie unter anderem in Immobilien investiert. Das Unternehmen hält die Ikea-Markenrechte, allein im vergangenen Jahr spülte das knapp 800 Millionen Euro an Lizenzgebühren in die Kasse. Das Vermögen der Firma lag 2011 bei 5,8 Milliarden Euro. In London plant Inter Ikea tatsächlich einen ganzen Stadtteil. 1200 Wohnungen und Büros sollen im Viertel „Strand East“ entstehen.

Konkret ist auch der Bau von Studentenwohnheimen und Hotels. Inter Ikea hat hierzu bereits das Immobilienberatungsunternehmen Colliers Hotel beauftragt. Wie Colliers dem Handelsblatt bestätigte, suche man derzeit nach geeigneten Grundstücken.

Und Harald Müller? Der hat in diesen Tagen womöglich einfach zu viel zu um die Ohren, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen.

Massimo Bognanni ist Reporter im Handelsblatt Investigativ-Team.
Massimo Bognanni
Handelsblatt / Reporter im Investigativ-Team

Kommentare zu " Bau von Stadtteil: Das Phantom von Ikea"

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  • IKEA hat eben kein Mitleid mit Journalisten.

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