Baubranche
Bilfinger-Chef in akuter Erklärungsnot

Bilfinger-Chef Herbert Bodner muss sich unangenehmen Fragen stellen: Auf der Bilanzpressekonferenz geht es diesmal weniger um die Zahlen des Baukonzerns, als um die Gründe für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Immerhin gilt der Österreicher als krisenerprobt.

DÜSSELDORF. "Dicke Mädchen haben schöne Namen, heißen Rosa, Tosca oder Carmen", schmetterte die Kölner Kultband Höhner noch vor wenigen Wochen im Karneval. Doch der Frohsinn ist den Kölnern inzwischen gründlich vergangen. Rosa, Tosca und Carmen verbreiten im Moment eher Angst und Schrecken. Denn die drei Tunnelbohrmaschinen, von den Kölnern so jeck getauft, werden zum Bau der neuen U-Bahn quer durch Sand, Kies und den jahrtausendealten Kulturschutt der Millionenstadt eingesetzt.

Noch weiß niemand genau, was zum Einsturz des Stadtarchivs mit zwei Toten vor zwei Wochen geführt hatte. Doch am Wochenende waren erstmals Verstöße beim nahe gelegenen U-Bahn-Bau bestätigt worden. Die beteiligten Baufirmen hatten diese bislang bestritten. Mit der Schuldfrage sind angesichts der Dimension der Katastrophe mögliche Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe verbunden. Auch deshalb lehnten die Baukonzerne bislang jegliche Stellungnahme ab. Sie verwiesen lieber auf die Verantwortung des Bauherrn, die Kölner Verkehrsbetriebe.

Heute nun dürfte immerhin Bilfinger Berger Position beziehen: Vorstandschef Herbert Bodner hat zur Bilanzpressekonferenz geladen. Bilfinger, Deutschlands Nummer zwei, führt das Konsortium an, das den Tunnel quer durch die Südstadt am Unglücksort entlang vorangetrieben hat. Nicht nur Köln wartet auf eine Erklärung, auch andere Städte, wie beispielsweise Düsseldorf. Denn auch hier baut Bilfinger eine neue U-Bahn im Schildvortriebsverfahren quer durch den Untergrund der Stadt. Bodners Auftritt hat auch eine gewisse politische Brisanz. Der 61-Jährige ist seit kurzem Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie.

Der gebürtige Österreicher muss wohl seinen ganzen Charme aufbringen, um die Gemüter zu beruhigen. Er gilt aber als krisenerprobt. Denn beim Bau von anspruchsvollen Ingenieurprojekten wie Tunneln und Brücken geht häufig etwas schief. Meistens handelt es sich aber nur um Fehlkalkulationen, die zu explodierenden Kosten führen. Wie beispielsweise beim Bau einer Autobahn durch die norwegische Landschaft. Da hatte Bilfinger die Widerstandsfähigkeit des dortigen Granits unterschätzt. Peinlich auch Flops bei Mauttunneln in Deutschland und Australien, bei denen die Finanzierung ins Schleudern geriet. Katastrophen wie in Köln sind jedoch die Ausnahme. Ein Restrisiko, sagen Bauexperten, könne man nie ganz ausschließen.

Bodner, der als 15-Jähriger sein erstes Geld für ein paar gute Skier in einer Coca-Cola-Fabrik verdiente, kann auf die großen Ingenieurprojekte kaum verzichten. Denn je komplizierter das Bauwerk, desto mehr Geld ist damit zu verdienen. Dies gilt für Tunnel und Brücken, aber auch im Wirtschaftsbau und bei Betreiberprojekten. "Einfache Straßen, die geradeaus führen, können andere billiger bauen", hat Bodner einmal gesagt.

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