Baudouin Prot
BNP-Chef packt den Stier bei den Hörnern

Eigentlich ist der hochgewachsene Chef von BNP Paribas ein Mann fürs Präzise, nicht für die Show. Dabei meistert der Banker die Krise besser als seine Konkurrenten. Heute verkündet er auf dem Investoren-Tag in Brüssel, dass die BNP bei der Integration des Fortis-Geschäfts massiv sparen muss.
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PARIS. Es wird sein Tag werden: eine Flut von Powerpoint-Folien, die strotzen vor Zahlen, dazu Säulendiagramme und Tabellen. Alles für eine Aussage: BNP Paribas, Frankreichs größte Bank, hat die Integration der belgischen Bank Fortis voll im Griff.

Heute auf dem Investoren-Tag in Brüssel wird BNP-Paribas-Chef Baudouin Prot selbst Überbringer dieser guten Nachricht sein. Der hochgewachsene Bank-Chef ist ein Mann fürs Präzise, nicht für die Show. Und wie immer bei solchen Ereignissen, werden ihm seine treuen Mitarbeiter Zettelchen auf das Podium reichen, um Prot zu bestätigen, dass seine frohe Botschaft an der Börse angekommen ist.

Genugtuung wird sich der Kunstliebhaber aber nicht anmerken lassen. Selbstdarstellung ist nicht die Sache des Bank-Chefs, der lieber im kleinen Kreis seinen Humor aufblitzen lässt. Die einzige öffentliche Extravaganz, die er sich leistet, ist sein silbergrauer Seitenscheitel, dessen Locke ihm schon mal vor die Augen weht.

Doch der BNP-Paribas-Chef hätte allen Grund zur Selbstzufriedenheit. Aus dem Krisenjahr 2009 geht seine Bank gestärkt hervor: Nach einem dramatischen Sommer ist die Fortis-Übernahme unter Dach und Fach, die Integration läuft. Seine Bank ist an der Börse so viel Wert wie die Rivalen Société Générale und Crédit Agricole zusammen. Und doppelt so viel wie der deutsche Branchenprimus Deutsche Bank. "Früher galten wir als langweilig, heute ist langweilig in", freute sich Prot in einem Interview.

Doch der Anspruch des Branchenprimus hat für ihn auch seine Schattenseiten: Denn von Frankreichs wichtigster Bank wird auf allen Feldern Vorbildlichkeit erwartet. Das zeigte sich im August: Nachdem sein Institut glänzende Halbjahreszahlen vorgelegt hatte, gab es in Frankreich eine Riesenaufregung darum, dass BNP Paribas rund eine Milliarde Euro für Bonuszahlungen zurückgestellt hatte.

Prompt wurden Prot und die anderen Bank-Chefs zu Staatschef Nicolas Sarkozy einbestellt, der ihnen die Leviten las. "Wie immer hat Baudouin den Stier bei den Hörnern gepackt", erinnert sich Serge Weinberg, Ex-Chef des Konzerns PPR und Prots Stubenkamerad in der Militärzeit. Bevor Prot zu Sarkozy musste, sprach er sich mit den anderen Bank-Chefs ab, um Sarkozy verschärfte Boni-Regeln vorzuschlagen. Der Vorschlag, die Boni über Jahre zu verteilen, hat sich nun auch die G20 zu eigen gemacht - die USA trödeln jedoch aus französischer Sicht zu sehr.

"Die Episode hat zumindest den Vorteil, dass der Finanzplatz Paris derzeit das höchste Niveau in Sachen Ethik und Sicherheit ausweist", sagt Prot im Rückblick.

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