Baumaschinenhersteller
Wacker Neuson stürzt Aufsichtsratschef

Der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson rutscht in eine tiefe Krise. Das Unternehmen meldete am Mittwochnachmittag überraschend die Abberufung des Aufsichtsratschefs Hans Neunteufel. Gründe für die Abberufung nannte Wacker Neuson nicht. Es zeichnet sich aber Ärger ab.

MÜNCHEN. Die Pflichten des Aufsichtsratschefs übernehme sein bisheriger Stellvertreter Ulrich Wacker, teilte das Unternehmen mit. Und weiter: "Die Gesellschaft geht davon aus, dass die genannte Beschlussfassung Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzung sein wird." Die Börse reagierte prompt: Die Aktie brach rund sieben Prozent ein.

Wacker Neuson wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Vorgang äußern. Die Umstände der Abberufung Neunteufels deuten jedoch auf einen plötzlichen und handfesten Krach der beiden Eigentümerfamilien hin. Neunteufel ist Gründer des österreichischen Baumaschinenherstellers Neuson Kramer, der vor zwei Jahren mit dem Münchener Traditionsunternehmen Wacker Constructions fusionierte. Zuvor war Wacker Constructions an die Börse gegangen und ist im S-Dax notiert. Die Familie Neuson ist über eine Beteiligungsgesellschaft mit 29 Prozent an dem fusionierten Unternehmen beteiligt, weitere 39,4 Prozent hält die Familie Wacker. Beide Parteien hatten stets betont in der Fusion ihre "Wunschpartner" gefunden zu haben. Vereinbart wurde eine Gewaltenteilung: Wacker-Chef Georg Sick sollte die operative Führung haben, Neunteufel führte den Aufsichtsrat.

Wacker ist seit 160 Jahren Spezialist für kompakte Baumaschinen wie Presslufthämmer und Rüttelplatten, Neuson stellt kompakte Bagger und Radlader her. Wacker sollte den Österreichern den Zugang zum Weltmarkt verschaffen. Doch unmittelbar nach der Fusion begann die Krise in den USA, die mittlerweile alle Bereiche der globalen Bauwirtschaft erfasst hat. Erst in der vergangenen Woche räumte Firmenchef Georg Sick ein, dass Wacker Neuson 2009 wohl einen Verlust schreiben wird. Im vergangenen Jahr hatte sich der Gewinn bereits von 75 auf 37 Millionen Euro halbiert, der Umsatz war von 979 auf 870,3 Millionen Euro gesunken. Von seiner ursprünglichen Prognose eines Umsatzes von mehr als einer Milliarde Euro war Wacker Neuson längst abgerückt. Der Baumaschinenhersteller hat seit Oktober vergangenen Jahres 700 Stellen gestrichen und beschäftigt noch 3200 Menschen.

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