Bawag
Ein Brite für Österreichs Patienten

In Österreichs kriselnder Bankenlandschaft werden weiter munter Chefs ausgetauscht. Diesmal ist die Cerberus-Tochter Bawag an der Reihe. Der neue Bawag-Chef Byron Haynes ersetzt den aus gesundheitlichen Gründen ausscheidenden David Roberts. Haynes soll die Sanierung fortsetzen. Dabei kann die frühere Skandalbank erneut auf Staatshilfe bauen.

WIEN. Chef einer der großen österreichischen Banken zu sein, ist derzeit kein Vergnügen. In den vergangenen sechs Monaten sind vier von sechs Bankchefs ausgetauscht worden. Bei der früheren Wiener Gewerkschaftsbank erzwingen nicht faule Ostkredite oder Verluste mit strukturierter Wertpapieren einen Wechsel. Byron Haynes übernimmt den Chefposten, weil sein Vorgänger David Roberts wegen gesundheitlicher Probleme abtreten muss.

Mit dem bisherigen Bawag-Finanzvorstand Haynes rückt erneut ein Brite an die Spitze der Bank. Das ist ein klares Indiz dafür, dass der Eigentümer, der Private-Equity-Investor Cerberus, eher einem Angelsachsen als einem Österreicher traut. Denn im Vorstand des Wiener Geldhauses gab es auch Österreicher, die die Roberts-Nachfolge hätten übernehmen können.

Der Neue sollte seinen Job in den Griff bekommen. Der 43-jährige Londoner ist Banker durch und durch. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium heuerte er zwar zunächst bei KPMG an, wechselte später aber ins Bankfach. Die niederländische ABN Amro wurde zu seinem Stammhaus, wo er fast eine ganze Dekade verbrachte. Doch nach der Übernahme durch die Royal Bank of Scotland ging es für ihn dort aber nicht so recht weiter. So wechselte er im Sommer 2008 als Finanzvorstand nach Wien. „Mit Byron Haynes ist sichergestellt, dass das Geschäft der Bank in Österreich deutlich ausgebaut wird“, glaubt Aufsichtsratschef Wulf von Schimmelmann.

Dass es Haynes so nach Wien zieht, ist wohl kein Zufall. Mehrere Jahre arbeitete er für KPMG in Ungarn. Auch seine Ehefrau stammt von dort. Haynes glaubt, dass er wegen seiner Erfahrungen auf dem Kontinent gut nach Wien und in die Bawag passt. „Ich bin mehr Europäer als Brite“, sagt er. Mit dem Deutsch hapert es zwar noch etwas. Aber englisch ist wegen des US-Eigentümers ohnehin die dominierende Sprache in der Zentrale. Dafür hat sich Fußball-Fan sportlich bestens integriert: Sein Herz schlägt für Rapid, einen der zwei großen Wiener Vereine.

Der Besuch des Fußball-Stadions könnte auf längere Sicht sein einziges Hobby sein. Vorgänger David Roberts hat die Bank zwar eine Sanierung eingeleitet, doch sie ist noch lange nicht beendet. Die Bawag geriet vor drei Jahren wegen handfester Finanzskandale in die Schlagzeilen. Nur eine staatliche Geldspritze bewahrte sie vor einem Zusammenbruch.

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