Bayer-Chef will gehen
Dekkers sagt „Bye, bye Deutschland“

Paukenschlag beim Pharmariesen Bayer: Vorstandschef Marijn Dekkers verlässt den Konzern in zwei Jahren. Den Niederländer zieht es mit der Familie in die USA. Ein potenzieller Nachfolger steht aber schon bereit.
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LeverkusenIn einer Phase des Erfolgs gibt es einen Nackenschlag für Bayer. Der Pharma- und Chemiekonzern muss sich einen neuen Vorstandschef suchen. Marijn Dekkers wird das Leverkusener Unternehmen Ende 2016 verlassen. Der Aufsichtsrat verlängerte am Dienstag zwar den Vertrag des 56-jährigen Managers – aber nur um zwei weitere Jahre. Die ungewöhnlich kurze Vertragsdauer sei auf Wunsch von Dekkers gewählt worden, betonte der Konzern.

Der Manager selbst schrieb in einem Brief an die Mitarbeiter, ausschlaggebend für seine Entscheidung seien ausschließlich familiäre Gründe. Nach 2016 würden seine Töchter in den Vereinigten Staaten studieren. Er und seine Frau wollten „dann gerne auch viel Zeit in den USA verbringen, um ihnen nah zu sein“. Dies sei aber als Bayer-Vorstandsvorsitzender nicht möglich. „Die richtige Balance zwischen Beruf und Privatleben war mir immer wichtig, sie ist der Grund, warum ich mich so entschieden habe“, betonte Dekkers.

„Wir freuen uns, dass uns Herr Dr. Dekkers, unter dessen Vorstandsvorsitz Bayer sich weiter sehr positiv entwickelt hat, noch für zwei weitere Jahre zur Verfügung steht“, sagte Bayer-Aufsichtsratschef Werner Wenning. Zugleich hob der Konzern einen potenziellen Nachfolger aufs Schild: Finanzchef Werner Baumann (51) wird mit Wirkung zum 1. Oktober dieses Jahres zum Vorstand für Strategie und Portfoliomanagement. Der Krefelder zog 2003 in den Vorstand des damals neu gegründeten Teilkonzerns Bayer Healthcare. Dort war er zudem Arbeitsdirektor. Seit Januar 2010 sitzt Baumann im Konzernvorstand. Neuer Finanzchef von Bayer soll der bisherige Landessprecher für die Region China, Johannes Dietsch (52), werden.

Der Niederländer Dekkers führte Bayer seit 2010. Er war der erste Ausländer an der Spitze des mehr als 150 Jahre alten Traditionsunternehmens. Sein Start in Leverkusen nach einer langen Karriere in den USA, wo er zuvor den Laborgeräte-Hersteller Thermo Fisher Scientific geleitete hatte, war holprig. Nur kurz im Chefsessel begann Dekkers damit, Bayer durch Sparschritte und einem noch stärkeren Fokus auf Arzneimittel und Pflanzenschutz mehr Schlagkraft zu verleihen. Für Unruhe sorgte damals, dass er 2010 nach nur wenigen Wochen im Amt ein radikales Umbauprogramm und den Abbau von weltweit 4500 Stellen ankündigte. Danach ging Dekkers vorsichtiger zu Werke und in den Folgejahren glänzte Bayer vor allem im Pharmageschäft durch eine Vielzahl von Neuzulassungen und Studienerfolgen.

Anfang Mai sorgte Dekkers zuletzt für Schlagzeilen: Bayer gab den Kauf der Sparte für rezeptfreie Medikamente von Merck & Co. bekannt. Die Leverkusener zahlen dem US-Pharmariesen dafür 14,2 Milliarden US-Dollar (10,4 Milliarden Euro). Das ist die größte Übernahme des Pharma- und Chemiekonzerns seit dem Kauf des Berliner Arzneimittelrivalen Schering für rund 17 Milliarden Euro im Jahr 2006.

Zur Merck-Sparte gehören die Fußpflegeprodukte von Dr. Scholl’s, Coppertone-Sonnencremes und das Allergiemittel Claritin. Merck hatte mit den frei verkäuflichen Produkten 2013 rund 1,9 Milliarden Dollar Umsatz eingefahren. Die Leverkusener kamen in dem Segment auf Erlöse von 3,9 Milliarden Euro mit Präparaten wie Aspirin, Alka Seltzer und dem Magenmittel Rennie.

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