BC-Partners-Chef tritt ab
Jens Reidel: Veteran mit langem Atem

Wenn Jens Reidel sich über etwas aufregt, dann ist es Kurzfristigkeit. Kurzfristiges Handeln und Denken habe dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren Werte immer stärker in den Hintergrund gedrängt worden seien. Die Finanzkrise sei nur ein Beleg dafür. Dass Reidel zumindest selbst versucht, es anders zu halten, will er nun mit seinem Rücktritt vom Chefposten beim Finanzinvestor BC Partners beweisen.

FRANKFURT. Wie kürzlich bekannt wurde, zog sich Jens Reidel zum Jahreswechsel als Chairman des europäischen Finanzinvestors BC Partners zurück. Was auf den ersten Blick überraschend - und eben kurzfristig - erscheint, stellt BC Partners als langfristige Nachfolgeplanung dar. Ernsthafte Gründe daran zu zweifeln gibt es nicht.

"Natürlich fällt einem das schwer", sagt Reidel und fügt hinzu, er wolle aber auch nicht noch mit 65 Jahren an Bord sein. Nach mehr als anderthalb Jahrzehnten bei BC Partners und insgesamt gut 30 Jahren im Berufsleben habe er mehr Zeit für sich gesucht. Zudem mache es wenig Sinn, unmittelbar vor der voraussichtlich 2010 anstehenden Einwerbung des neunten Fonds den Chairman auszuwechseln. Dann also lieber jetzt. Immerhin: Reidel wird BC Partners weiter beratend zur Seite stehen. Parallel dazu will er als "eine Art Business-Angel" Jungunternehmer mit seiner Expertise und Kapital unterstützen. Beides dürfte umfangreich vorhanden sein.

Für den Finanzinvestor, hierzulande engagiert beim Kabelnetzbetreiber Unitymedia, dem Chemikalienhändler Brenntag oder dem Transformatorenhersteller SGB, ist der Rückzug Reidels kein dramatischer Umbruch. BC Partners ist eine Partnerschaft. Sein Amt als Chairman bezeichnet Reidel da selbst "bestenfalls als primus inter pares". Kein CEO, kein Vorstandsvorsitzender im üblichen Sinn zu sein, konnte dem studierten Diplom-Kaufmann zufolge in den vergangenen Jahren durchaus anstrengend sein.

"Es ist manchmal ziemlich zäh, einen Konsens unter neun Partnern zu finden", stöhnt der Ex-Beiersdorf-Manager. Aber vielleicht sorgte gerade dieses Ringen dafür, dass sich das Private-Equity-Haus in den vermeintlichen Boom-Jahren 2006 und 2007 zurückhielt, während andere überteuerte Deals en masse abschlossen. Womöglich der beste Beleg für Reidels Faible für Langfristigkeit. Den Posten des Chairmans übernehmen nun Francesco Loredan und Raymond Svider - Leiter der Büros in Genf und New York - gemeinsam.

Mit Reidel tritt ein weiterer deutscher Private-Equity-Veteran ab. Erst kürzlich kündigte Thomas Krenz vom Konkurrenten Permira den Rückzug an. Nicht wenige aus der Branche spotteten, Krenz wolle sich verabschieden, bevor die Probleme bei Engagements wie Pro Sieben Sat.1 noch schlimmer würden - was Permira zurückweist. Bei Reidel ist kaum mit Lästereien zu rechnen. Denn in dem aktuellen, 16 Firmen starken Beteiligungsportfolio mangelt es an größeren, offensichtlichen Krisenfällen. Zwar machen der Londoner Immobilienmakler Foxtons und die Beteiligung an den "Gelben Seiten" Italiens Sorgen. Doch bei einem Portfolio, das 2008 insgesamt seinen operativen Gewinn um im Schnitt 8,5 Prozent steigern konnte, dürfte das zu verschmerzen sein.

Fragt man Reidel übrigens nach dem schlimmsten Moment seiner Karriere, fallen umgehend die Namen Grohe und Franz Müntefering. BC Partners hatte den Badarmaturenhersteller 1999 gekauft und 2004 an die Rivalen TPG und CSFB Private Equity weiterverkauft. Als die Käufer Werke schließen und Stellen streichen, geraten auch Reidel und BC Partners ins Visier der vom damaligen SPD-Chef angefachten "Heuschrecken"-Debatte. "Das war eine bittere Erfahrung", sagt Reidel heute. Zumal Grohe nach einer Phase der Restrukturierung heute durchaus wieder Wachstum aufweist. Für die Heuschrecken-Debatte wäre das aber wohl zu viel der Langfristigkeit gewesen.

Jens Reidel

2. Juni 1951: geboren in Frankfurt am Main.

1972 - 1977: Reidel hat Wirtschafts- und Rechtswissenschaften in Frankfurt studiert, und er ist Diplom-Kaufmann.

1977 - 1990: Bei Beiersdorf war er in verschiedenen Führungspositionen tätig. So arbeitete er im Bereich Finanzen, Controlling, Material Management und Vertrieb für Beiersdorf in Deutschland. Außerdem war er auch in Kanada für den Konzern tätig.

1990-1991: Reidel gehörte zu den Gründungspartnern von Munich Trust Holding, einer Private- Equity-Gesellschaft mit Sitz in München.

1992: Kam er zur Beteiligungsberatung BC Partners und baute das deutsche Büro auf.

Seit 2004: Chairman der Gruppe. Aber diese Aufgabe übernahm er noch nicht als Vollzeit-Posten. Parallel war er zudem noch für Transaktionen und Portfoliobetreuung zuständig.

2007: Reidel übernahm den Posten als "hauptamtlicher" Chairman von BC Partners in London.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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