Bear Stearns
Blitz-K.O. des „Boxers“ Joe Lewis

Die Namensähnlichkeit zur Faustkampf-Legende brachte ihm den Beinamen „Boxer“ ein. Neben zahlreichen sportlichen Investments kaufte sich der britische Milliardär Joe Lewis bei Bear Stearns ein. Doch das Engagement bei der inzwischen verramschten Investmentbank könnte als „Blitz-K.o.“ in die Wirtschaftsgeschichte eingehen.

NEW YORK. Joe Lewis hat es vom Sohn eines Cafehausbesitzers im Londoner East End zum Milliardär gebracht. Er zog eine Restaurantkette auf, verkaufte Luxusgüter an Touristen und begann in den 70er-Jahren erfolgreich mit Währungen zu handeln. Heute lebt er zurückgezogen auf den Bahamas und kontrolliert über seine Tavistock Group mehr als 100 Firmen, darunter Fußballklubs wie Tottenham Hotspurs oder Slavia Prag. Auch der Isleworth Golf & Country Club in Florida, Heimkurs von Superstar Tiger Woods, gehört Joe Lewis.

Man muss für ihn hoffen, dass sich die sportlichen Investments besser rechnen als sein Einstieg bei Bear Stearns. Dort begann Lewis als Kunde der Vermögensverwaltung und endete als Großaktionär: Als im Sommer 2007 zwei Hedge-Fonds von Bear Stearns kollabieren und der Aktienkurs taumelt, greift Lewis zu: Er kauft sich mit sieben Prozent bei der Investmentbank ein und zahlt 860 Mill. Dollar. Im Dezember stockt er auf fast zehn Prozent auf und hält seitdem ähnlich viele Anteile an Bear Stearns wie der bisher größte Einzelaktionär James Barrow, Chef des Finanzhauses Barrow, Hanley, Mewhinney & Strauss aus Dallas.

Das Investment des 71-jährigen Briten, den sie "Boxer" nennen - wegen seiner Namensähnlichkeit mit Faustkampf-Legende Joe Louis - könnte als "Blitz-K.o." in die Wirtschaftsgeschichte eingehen: Bear Stearns, an der Börse vor wenigen Monaten noch 170 Dollar wert, wurde gestern für zwei Dollar pro Aktie an JP Morgan verramscht.

Ein schwacher Trost für Lewis: Auch weitere Großinvestoren wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Bruce Sherman galt als kritischste Stimme im Kampf um ein besseres Krisenmanagement bei Bear Stearns. Der Chef der Vermögensverwaltung Private Capital Management aus Florida soll US-Medien zufolge den Rücktritt des langjährigen Vorstandsvorsitzenden James Cayne im Dezember 2007 gefördert haben. Shermans Firma hatte zum Jahresende 5,5 Mill. Bear-Stearns-Aktien oder einen Firmenanteil von 4,8 Prozent in den Büchern. Auch Cayne selbst, bis zuletzt Verwaltungsratschef und langjähriges Aushängeschild der Wall-Street-Bank, gehört mit mehr als fünf Mill. Aktien zu den Hauptverlierern des Zusammenbruchs. Mitleid von den 14 000 Mitarbeitern bei Bear Stearns ist nicht zu erwarten: Sie halten mehr als 30 Prozent der Firmenanteile, die über Nacht fast wertlos geworden sind. Darüber hinaus ist unsicher, ob sie unter dem Dach von JP Morgan ihren Job behalten können.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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