Beben im Volkswagen-Reich: Piëch gehabt

Beben im Volkswagen-Reich
Piëch gehabt

VW-Patriarch Piëch rückt von seinem Ziehsohn ab. Konzernchef Martin Winterkorn hat wohl keine Chance mehr auf den Aufsichtsratsvorsitz. Es wäre keine Premiere, dass Piëch Top-Manager über die Klinge springen lässt.
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HamburgVolkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch rückt völlig überraschend ab von Konzernchef Martin Winterkorn. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Piëch dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Es sind nur 28 Buchstaben, doch sie haben am Freitag ein Beben beim Autobauer Volkswagen ausgelöst.

Mit den Schockwellen dieses völlig überraschenden, offensichtlichen Bruchs zwischen dem Patriarchen aus dem Kontrollgremium und dem Konzernlenker steht eine Führungskrise bei VW im Raum. Winterkorns Zukunft ist nun fraglich. Es galt bei Konzerninsidern als gesetzt, dass Winterkorn zum Ende seiner Amtszeit Anfang 2017 Piëch an der Aufsichtsratsspitze beerbt.

Auch eine Vertragsverlängerung über 2016 hinaus stand bisher im Raum. „Man weiß es nie“, sagte der 67-jährige Winterkorn dem „Stern“ erst vor wenigen Wochen. Insider zeigten sich nun durch die Bank verwundert.

Piëch – der selbst die Konzernspitze vor Winterkorn geführt hatte – ist berüchtigt für Sätze oder sogar nur Halbsätze, die das Ende von Managerkarrieren einläuten können. Die Familien Porsche und Piëch besitzen die Stimmenmehrheit im Konzern. Piëch, der am 17. April 78 Jahre alt wird, ist das VW-Machtzentrum – nach der eisernen Regel: Ohne sein Okay fällt keine wichtige Entscheidung.

Nun aber hat der VW-Patriarch seinen langjährigen Wegbegleiter Winterkorn mächtig angezählt – und zwar in aller Öffentlichkeit. Nach Piëchs Aussagen steht damit die gesamte künftige VW-Machtarchitektur auf dem Prüfstand. Das Tandem Winterkorn/Piëch galt bislang als der Weichensteller für die mittelfristige Zukunft. Winterkorns Vertrag läuft Ende nächsten Jahres aus, dann geht er auf die 70 zu.

Neben der Distanz-Aussage hat ein weiterer Satz von Piëch aus dem an diesem Samstag erscheinenden „Spiegel“ Gewicht: „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen.“ Dabei falle die Entscheidung, wer VW künftig lenkt, erst 2017 – und zwar „kurz vor meinem Ausscheiden“, wie Piëch sagte. Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen. In Vorstand und Aufsichtsrat müssten jeweils Techniker die Führung bekleiden, das sei so gesetzt.

Damit kommen zwei Varianten nicht mehr infrage: Audi-Chef Rupert Stadler dürfte demnach als Betriebswirt nicht auf Winterkorn folgen. Der Manager, der als ehrgeizig und bodenständig gilt, hat sich zu möglichen Ambitionen nie geäußert. „Die Frage stellt sich nicht“, sagte er am Jahresanfang. Das dürfte nun auch so bleiben. Dabei gilt Stadler als Vertrauter von Winterkorn und von Piëch, dessen Büro als VW-Vorstandchef er einige Jahre leitete. Zudem war Stadler als Audi-Boss quasi von Amts wegen ein möglicher Kronprinz, denn auch Piëch und Winterkorn waren zunächst Chefs in Ingolstadt.

Ursula Piëch, Ehefrau des Patriarchen, ist nun auch keine Alternative mehr für die Spitze des Aufsichtsrats, in dem sie schon sitzt. Über die Variante hatten VW-Kenner zumindest diskutiert. Piëch schloss nun aber nicht nur seine Frau namentlich aus, die als gelernte Erzieherin ohnehin keinen Technikerhintergrund hat – sondern verneinte generell, dass für die Nachfolge als Chefkontrolleur ein Familienmitglied infrage komme.

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  • Das Ende von Winterkorn ist eingeläutet
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    «Damit hat Piëch Winterkorn praktisch zum Abschuss freigegeben».
    Was ist die Ursache für das Zerwürfnis? Niemand weiß es.
    Dass sich aber Osterloh und Weil einmischen, ist unverständlich. Sie haben doch keine Ahnung, davon aber jede Menge.

  • @ Puntila
    Denk ein deine Pumpe! Bist nicht mehr der Jüngste. Hätte nicht gedacht, dich mit einem Satz auf max. Drehzahl zu bringen. Jetzt stellt das Posten ein, einen Schluck Baldrian u. ab ins Bett. Montag hast du wieder einen langen Posting Tag.

  • verherter Herr Bruno zu Fürstenberg Usslar;

    wie allgemein bekannt schreiben sie viel
    und verstehen wenig.

    Lassen wir es dabei, komplexe Zusammenhänge zu erkennen, ist nicht ihre Kernkompetenz.

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