Bechstein-Chef Karl Schulze versucht die weltberühmte Klaviermarke zu retten
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Auf den beiden oberen Etagen in den Verkaufsräumen dominiert Hochglanz: Polierte schwarze Holzflächen, strahlend weiße Tastenfelder, feine Messingbuchstaben. Ehrfurcht gebietet er, der große Konzertflügel D280 der Nobelmarke „C. Bechstein“. Zu haben ist er für 86 400 Euro. Damit ist das Instrument im Edeleinrichtungszentrum Stilwerk zu Berlin preislich in guter Gesellschaft.

HB BERLIN. Eine Etage tiefer geht es weniger glanzvoll zu. Vorbei an einem Archiv gelangt man in ein langes Großraumbüro. Am Kopfende steht der Schreibtisch von Karl Schulze. Der Chef hat seine wenigen Mitarbeiter stets alle im Blick.

„Ja, wir haben nicht die üblichen Hühnerställe, sondern flache Hierarchien, keine einzige Sekretärin und keine Telefonistin“, erläutert der Vorstandschef und Mitinhaber der C. Bechstein Pianofortefabrik AG auf seine leicht schnoddrige Art den Sparkurs in der Firmenzentrale der berühmten Klavier- und Flügelmarke.

Traditionshudelei – auf Bechstein spielten schon Komponisten wie Franz Liszt und Claude Debussy und Pianisten wie Vladimir Ashkenazy – kann sich Schulze schon lange nicht mehr leisten, wenn seine Firma mit dem klangvollen Namen und den noch klangvolleren Produkten überdauern soll. Dafür leitet Schulze in dieser Woche auf der Frankfurter Musikmesse eine neue Ära für Bechstein ein: Das Klavier Marke „Wilhelm Steinmann“ wurde in Schanghai, China, gebaut und ist für unter 3000 Euro zu haben.

China? Kommen Bechstein-Flügel bald alle aus China? „Nein, um Himmelswillen“, entgegnet Schulze und versichert, dass das Flaggschiff „C. Bechstein“ und schlichtere Marken wie „Bechstein Academy“ und „Zimmermann“ weiterhin im Traditionswerk im sächsischen Seifhennersdorf gebaut werden.

Für deutsche Klaviermarken wie Bechstein, Schimmel und Blüthner sind die Zeiten rauer geworden. Billigprodukte aus Korea, Indonesien und China überschwemmen den deutschen Markt. Im vergangenen Jahr stammten zwei Drittel der hier verkauften etwa 16 000 Klaviere und Flügel von Auslandsfirmen, angeführt von Yamaha aus Japan.

In diesem Verdrängungswettbewerb muss Schulze die Kosten für Verwaltung und Fertigung drücken und neue Märkte wie China erobern. Deshalb ist der groß gewachsene 56-Jährige bis zu 200 Tage pro Jahr unterwegs zu Händlern und Werken in Tschechien, Indonesien, Korea und China. Da kümmert sich der ausgebildete Klavierbauer und Betriebswirt darum, dass die hohen Qualitätsanforderungen der Traditionsfirma stimmen – und dass die Kosten im Rahmen bleiben.

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