Beerdigung
Abschied vom Gipfelstürmer Merckle

In Blaubeuren verabschieden sich fast 2 000 Menschen von Adolf Merckle bei einem Trauergottesdienst. Der schwäbische Unternehmer hat sich vor einer Woche das Leben genommen. Er sah keinen Ausweg mehr, die Zerschlagung seiner Firmengruppe zu verhindern.

BLAUBEUREN. Kurz vor Beginn des Gottesdienstes betritt die Familie Merckle die Kirche: die Ehefrau Ruth Merckle, begleitet von ihrer Tochter Jutta und dem jüngsten Sohn Tobias. Die beiden, die mit den Geschäften ihres Mannes am wenigsten zu tun hatten, scheinen ihr jetzt am nächsten. Die beiden anderen Söhne, Ludwig und Philipp Daniel, folgen. Die neun Enkel von Adolf Merckle kommen zuletzt. "Die Familie steht jetzt eng zusammen", sagt eine Vertraute Merckles. Da sitzen die Trauergäste schon ein Dreiviertelstunde in beklemmender Stille.

Eine Woche nach seinem Selbstmord nehmen fast 2 000 Menschen in Blaubeuren Abschied vom Unternehmer und Milliardär Adolf Merckle. Rund 800 finden Platz in der Kirche, der Rest starrt auf die Videowand in der Stadthalle.

Zur Trauerfeier kommen Bundesforschungsministerin Annette Schavan und die Stuttgarter Sozialministerin Monika Stolz. Ministerpräsident Günther Oettinger schickt einen Kranz, bleibt aber der Veranstaltung fern, wie auch viele namhafte Vertreter des schwäbischen Mittelstands. Unter den Trauergästen sind viele Mitarbeiter des zur Merckle-Gruppe gehörenden Unternehmens Ratiopharm aus Ulm und Blaubeuren.

Tobias Merckle liest im Gottesdienst aus der Bibel (Offenbarung 21, I, 3-5a): "Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr."

Die Predigt hält der frühere evangelische Landesbischof Gerhard Maier. "Was ihn dazu brachte, sich selbst das Leben zu nehmen, werden wir Menschen nie bis ins Letzte verstehen", sagte der Geistliche. Er hielt sich im Wesentlichen daran, nichts Schlechtes über den Verstorbenen zu sagen.

An Merckle erinnerte er als einen Naturliebhaber, der mit seiner Ehefrau neun Sechstausender-Gipfel bestiegen habe. Er sei ein Vollblutunternehmer gewesen, der "in außerordentlichem Maß seine gesellschaftliche und soziale Verantwortung wahrgenommen" habe. Es sei ihm immer um die Schaffung von Arbeitsplätzen gegangen, nicht um persönlichen Gewinn.

Seite 1:

Abschied vom Gipfelstürmer Merckle

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%