Begeisterung für das Radfahren
Villigers Welt

Heinrich Villiger kämpft als Deutschlands einziger Importeur von Havanna-Zigarren für den Rauchgenuss. Im Handelsblatt-Gespräch wählt er eine La Meridiana aus. Fürs Fachpublikum: Das ist eine Longfiller aus Honduras. Für Laien: Es handelt sich um eine etwa 20 Zentimeter lange Zigarre, die Heinrich Villiger während des Gesprächs viermal ausgehen wird.

HB PFEFFIKON. Den Zeigefinger gekrümmt, die Zigarre mit dem Mittelfinger abstützend, dahinter verborgen in der Handfläche das Feuerzeug – so sitzt er da. Wenn eine Werbeagentur das Bild eines Zigarrenrauchers erfinden sollte, müsste sie es nach dem Abbild Villigers erschaffen.

Der eisgraue Vollbart ist sauber gestutzt, das schüttere Haar von gleicher Farbe gescheitelt. Den Anzug würden Fachverkäufer als „sportlich“ beschreiben. Er passt zum Geländewagen vor der Tür. Noch besser hätte er zum Ferrari gepasst, aber den hat Villiger verkauft, als er einmal nicht so gut bei Kasse war. „Gentleman“ wäre wohl der treffende Ausdruck für den 74-jährigen Herrn, der nicht nur die Welt mit seinen eigenen Zigarren und Zigarillos versorgt, sondern in Deutschland und der Schweiz Alleinimporteur kubanischer Zigarren ist. Auch der Kanzler raucht sein Kraut.

„Fast unanständig“, nennt ihn Beat Kraushaar von der Schweizer Stiftung Ecoglobe, die sich den Kampf gegen das Rauchen auf die Fahnen geschrieben hat.

Villiger tritt in seinem Heimatland Schweiz, das demnächst Warnhinweise auf Tabakprodukte drucken lässt, als bekennender Raucher auf. Zu verwehenden Jazzklängen spricht er in Werbepräsentationen über die edle Kunst der Tabakkultur. Vor ausgesuchtem Publikum schwingt er liberales Gedankengut und verlangt leise, aber bestimmt „Eigenverantwortung statt Verbote“. Er warnt davor, eine seiner drei Fabriken in der EU oder bei Luzern schließen zu müssen, was 200 Angestellte treffen würde.

„Stumpenland“ heißt die Luzerner Region. „Stumpen“ sind eine eidgenössische Kreation: eine Art Zigarre des kleinen Mannes, an der Maschine produziert, beidseitig abgeschnitten und unter dem Namen „Villiger Export“ einer der Hauptumsatzträger des Unternehmens. „Es ist fast unanständig, Herr Villiger, sich ausgerechnet um das Überleben ihrer Stumpenfabrik zu sorgen“, meint Kraushaar und spricht von „todbringender Ware“.

Villiger bringt bei solchen Diskussionen erst einmal seine Zigarre wieder zum Glühen, nimmt einen Zug und erklärt, dass sie schon allein auf Grund ihrer Länge wie ein reinigender Filter wirke. Die letzten Zentimeter rauche er niemals. „Eine Zigarre muss in Würde sterben“, sagt er aufreizend langsam, und es wird klar, wie er auch unter überzeugten Nichtrauchern für rauchende Köpfe sorgen kann. Da braucht er nicht mal seinen Bruder um politische Schützenhilfe zu bitten, obwohl der als Ex-Verteidigungs- und -Finanzminister beste Beziehungen unterhält. Heinrich Villiger zelebriert einfach den Genuss.

Seine Welt sieht so aus: Die Guten, das sind die Zigarrenraucher. Zur Not zählen noch die Zigarillo-Fans dazu. Die Bösen, die die Tabakkultur bedrohen, das sind die Multis von der Zigarettenindustrie. Sie verfälschen den Geschmack und ruinieren die Gesundheit der Raucher durch Zusätze, mit denen sie den Tabak verändern und den Massenkonsum fördern. „Das ist wie beim Gin“, sagt er. „Mit Tonic ist es Zuckerwasser, und sie trinken zu viel davon.“

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