Beide haben den „goldenen Reis“ entwickelt
Das Leben im Reisfeld

Die Biologen Ingo Potrykus und Peter Beyer wollen mit der grünen Gentechnik eine tödliche Mangelkrankheit bekämpfen. Ob die beide helfen dürfen entscheidet sich in dieser Woche. Dann berät der Vermittlungsausschuss des Bundestags die Vorlage des Gentechnikgesetzes.

DÜSSELDORF. Der eine wirkt wie ein zeitgeistiger Intellektueller aus den 70ern, Jeans, Jackett, offener Hemdkragen, die graue Mähne wie ein Helm über den Augen. Der andere kommt braun gebrannt daher, wie einer, der sein Leben lang auf dem Acker geschuftet hat, große Hände, von schwerer Arbeit geformt. Das Bild täuscht, nur das mit dem Acker haut ungefähr hin: Die beiden sind Forscher und haben ein Anliegen, das aktueller kaum sein könnte.

Der Hagere heißt Peter Beyer und ist Molekularbiologe am Zentrum für angewandte Biowissenschaften der Universität Freiburg. Der andere ist Ingo Potrykus, emeritierter Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Beide haben den „goldenen Reis“ entwickelt, den sie in den wichtigsten Reisländern in den kommenden Jahren mittellosen Subsistenzbauern zugänglich machen wollen – wenn die EU-Kommission und die Bundesregierung sie lassen. Der gentechnisch erzeugte hohe Provitamin-A-Gehalt des goldenen Reises soll Schluss machen mit dem in Teilen der Dritten Welt verbreiteten Vitamin-A-Mangel, an dem jedes Jahr zwei Millionen Kleinkinder sterben und weitere 500 000 erblinden.

Ob die beiden deutschen Gen-Forscher ihnen helfen dürfen, könnte sich in dieser Woche entscheiden: Dann berät der Vermittlungsausschuss des Bundestags die Vorlage des Gentechnikgesetzes. Die Volksvertreter haben es in der Hand, die grüne Gentechnik in Deutschland mit hohen Haftungshürden von jeder Weiterentwicklung abzuschneiden.

Potrykus und Beyer genießen unter Kollegen hohes Ansehen. Doch obwohl ihr Projekt von der Rockefeller Foundation und der EU gefördert wurde, obwohl sie mit dem Internationale Reisinstitut und 15 Agrar- und Ernährungsorganisationen in sieben Reisländern kooperieren, droht es sich kurz vor dem Ziel in einem Gestrüpp von Widerständen zu verfangen.

Denn der goldene Reis ist ein Produkt der grünen Gentechnik. Und deshalb macht Greenpeace, machen die Grünen und viele andere Umweltorganisationen seit Jahren gegen Potrykus und Beyer mobil. Zwar hat Benedikt Haerlin, langjähriger Antibiotech-Koordinator von Greenpeace, vor drei Jahren einräumen müssen, dass der goldene Reis einer guten Sachen diene: „Der goldene Reis ist eine moralische Herausforderung unserer Position.“

Aber die Gentech-Gegner verunsichert das nicht – genauso wenig wie Statistiken und Forschungsergebnisse, die das Vorhaben der beiden Deutschen praktikabel erscheinen lassen. Potrykus und Beyer haben keine kommerziellen Interessen an dem goldenen Reis, ebenso wenig der Pflanzenschutzkonzern Syngenta, der allerdings die Rechte für eine geschäftliche Verwertung der Entwicklung hält.

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