Beiersdorf
Herzbube setzt auf Schönheit

Beiersdorf-Chef Thomas Quaas klebt nicht an seiner Tesa-Sparte. Er will den Hamburger Konzern immer mehr auf Schönheitsprodukte konzentrieren. Doch die Familie Herz, Großaktionär von Beiersdorf, hält weiter an den ertragreichen Klebstoffprodukten fest.

DÜSSELDORF. Der Tag beginnt für ihn natürlich im Bad. Und mit Körperpflegeprodukten von Nivea. Genau 30 Minuten braucht Beiersdorf-Chef Thomas Quaas dort. „Da können Sie Ihre Uhr nach stellen“, sagt er. Schon am Vorabend legt sich Quaas für den nächsten Arbeitstag seine Kleidung raus. „Dann bleibt am Morgen noch genügend Zeit für Zeitung und Frühstück“, freut sich der 55-Jährige. Zeit, die er als Chef eines Konzerns mit 21 000 Mitarbeitern weltweit und rund 5,5 Milliarden Euro Jahresumsatz sonst kaum hat.

Seit Mai 2005 ist Quaas Vorstandsvorsitzender des Hamburger Konsumgüterkonzerns inklusive der Klebstofftochter Tesa, die heute in Hamburg ihre Jahreszahlen präsentiert. Wie schon sein Vorgänger, der legendäre „Mister Beiersdorf“ Rolf Kunisch, versucht er, den Konzern auf wenige, starke Marken zu konzentrieren – Eucerin, Labello, Nivea.

Sein Erfolg „gefällt“ vor allem Michael Herz, der die Interessen der Tchibo-Gesellschafter vertritt, die Beiersdorf kontrollieren. Dass Quaas aber weniger die Kleber von Tesa als vielmehr die Cremes und Tuben am Herzen zu liegen scheinen, gefällt dem öffentlichkeitsscheuen Herz nicht. Über den Verkauf der Tesa-Tochter gibt es fortlaufend Gerüchte. Und Quaas bemüht sich fleißig, sie zu dementieren. Verdächtig ist nur, dass diese Gerüchte immer wieder aus einflussreichen Kreisen in Hamburg kommen.

Wie Quaas tatsächlich zu einem Verkauf steht, ist nicht bekannt. Doch eines ist sicher. Im Tchibo-Reich ist Quaas nicht der König – höchstens Herzbube. Selbst wenn er also Tesa verkaufen wollte, müsste er zuerst seinen Aufsichtsrat Michael Herz überzeugen, der das Tesa-Geschäft nicht abgeben will. Denn das läuft gut: Der Umsatz wuchs im vergangenen Jahr um 8,1 Prozent auf 846 Millionen Euro (Vorjahr 793). Die Ebit-Umsatzrendite stieg auf über zehn Prozent. Ein Erfolg, der Tesa dazu veranlasst, in zwei neue Beschichtungstechniken in Deutschland zu investieren.

Quaas ist ein Beiersdorfer durch und durch: Bereits 1979 fängt der Betriebswirt als Trainee in Hamburg an. Als Personalleiter, Verkaufs- und Marketingdirektor, Geschäftsbereichsleiter und Logistikvorstand schafft er es schließlich zum Vorstandsvorsitzenden. Ein solcher Durchmarsch ist in der 126-jährigen Beiersdorf-Geschichte noch niemandem gelungen.

Durchzuhalten und sich ständig auf neue Situationen einzulassen – das hat Quaas schon als Kind lernen müssen. Im sächsischen Glauchau zwischen Gera und Chemnitz 1952 geboren, muss er alle paar Jahre umziehen. Zum ersten Mal, bevor der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht eine Mauer errichtet. Mit ihrem Wartburg flieht die Familie gen Westen nach Neuss an den Rhein, wo der Vater als Vertreter für die Waschmittelfirma Rei arbeitet. Als Außendienstler muss er bald weiterziehen – nach Aachen, Trier und Boppard. Sogar in die USA, wo er für Procter & Gamble Seife verkauft. Und die Familie zieht immer hinterher.

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