Beim Outsourcen machen sich Manager völlig unrealistische Hoffnungen auf Einsparungen
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Das Projekt sollte Pionier-Charakter für die gesamte Finanzwelt haben: Bis 2005 wollte die Deutsche Bank bis zu 10 000 Mitarbeiter und deren Jobs in Fremdfirmen verschieben. Erster, entscheidender Schritt des Mammutvorhabens war die Auslagerung der Rechenzentren mit rund 750 Mitarbeitern an IBM. Allein dadurch wollte die Deutsche Bank in zehn Jahren eine Milliarde Euro einsparen. Doch das Projekt lief schlecht, die tatsächlichen Spareffekte blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück.

HB DÜSSELDORF.Der erste Kopf rollte bald: Nur zehn Monate nach Übergabe der Rechenzentren an IBM musste John Patching, der Verantwortliche des Outsourcing-Teams – der Schnittstelle zwischen Bank und IBM – gehen.

Der Fall Deutsche Bank ist beileibe kein Einzelfall. Im Gegenteil, es ist eher die Regel, dass sich beim Outsourcen die Hoffnungen auf erhebliche Kosteneinsparungen nicht erfüllen. Dies ergibt eine Umfrage der Hamburger Unternehmensberatung Mummert Consulting unter 460 Fach- und Führungskräften.

Im Durchschnitt hatten sich die Manager Einsparungen von 23 Prozent durch das Auslagern von Unternehmensteilen ausgerechnet, fast ein Drittel der Befragten baute sogar auf Kostensenkungen von 30 Prozent und mehr. Jeder Zwanzigste hängt sogar der Idee nach, er könne so die Kosten um die Hälfte senken. Tatsächlich realisieren ließen sich aber nur 17 Prozent Einsparung.

Auch die Anbieter, die Mummert Consulting ebenfalls befragte, sehen die Effekte des Outsourcings übertrieben optimistisch: Sie gehen von durchschnittlichen Einsparungen von 21 Prozent aus. Am aussichtsreichsten, so die Studie, ist das Auslagern von IT-Aufgaben. Bei Call Centern dagegen lohnt der Aufwand kaum.

„Was drastisch unterschätzt wird, sind vor allem die Folgekosten beim Outsourcing,“ warnt Jörg Forthmann, Sprecher von Mummert Consulting. „Ein chaotisch geführtes Unternehmen kann kein effizientes Outsourcing-Projekt durchführen.“ Das funktioniere nur, wenn die Prozesse schon optimal seien. „Aber häufig wird der eigene Laden vor dem Auslagern ganzer Bereiche so renoviert wie im 19. Jahrhundert die Kleinstadt beim Besuch des Kaisers: Wo die Kutsche des Regenten vorbeifährt, sind Fassaden gestrichen und Bürgersteige repariert. Aber in den dunklen Nebenstraßen geht der Verfall weiter.“

Das bedeutet, so Forthmann weiter: Die Abläufe müssen auch in den Unternehmensteilen stimmen, die nicht direkt mit dem Outsourcing- Projekt zu tun haben. „Je besser die eigenen Prozesse aber sind, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich durch das Auslagern nochmals ein Effizienzgewinn von 25 Prozent und mehr herausholen lässt.“

Seite 1:

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%