Beinahe-Chef von NTT Docomo übernimmt Führung von Vodafone Japan
Die Wiedergeburt des Shiro Tsuda

Um ein Haar wäre der weißhaarige Shiro Tsuda, 58, der neue Präsident des japanischen Mobilfunkriesen NTT Docomo geworden. Doch nur wenige Wochen vor dem Chefwechsel im Juni machte Kollege Masao Nakamura das Rennen, damals genau wie Tsuda Vizepräsident des Netzanbieters. Tsuda wurde Präsident der Ausrüstungsfirma Docomo Engineering.

TOKIO. Was den Technikkenner enttäuscht haben muss, freute den weltgrößten Mobilfunkanbieter Vodafone: Die Briten haben sich das langjährige Docomo-Boardmitglied Tsuda geangelt: Ab Anfang Dezember wird er die Vodafone-Zügel in Japan in der Hand halten.

Kein einfacher Job, selbst für einen wie Tsuda, der seit 44 Jahren in der Telekombranche arbeitet: Vodafone leidet nicht nur unter sinkender Profitabilität in Japan, wo die Briten der drittgrößte Anbieter sind. Im Juli ging auch erstmals die Kundenzahl zurück, während sie bei den größeren Konkurrenten NTT Docomo und KDDI kräftig anstieg. Und die Durchschnittsausgaben pro Handykunde sinken auch. Dabei macht Japan fast ein Viertel des Gruppenumsatzes aus.

Hatte Vodafone bei Kamerahandys, damals unter dem Namen J-Phone, in Japan noch den Ton angegeben, hinken die Briten jetzt bei den schnellen internetfähigen UMTS-Geräten weit hinterher, bieten zu wenige Modelle an, vertrösten auf Weihnachten. Japanchef Darryl Green trat im Frühjahr „aus persönlichen Gründen“ ab, Asienchef Brian Clark führt bis Dezember kommissarisch.

„Die Bedeutung von Technologie darf man im Handymarkt nicht unterschätzen“, sagte Tsuda gestern, dem man bei Docomo mit Nakamura einen Marketingexperten vorzog. Sogar in seiner Freizeit widmet er sich der Strategie, mit Hilfe des Brettspiels Go. Golf spielt er auch, schließlich ist er Japaner. Nun soll er auch dafür sorgen müssen, dass die Strategien zwischen der Vodafone-Zentrale in London und dem Japan-Hauptquartier zusammenpassen.

1970 fing Tsuda bei NTT an, war seit den Anfängen am Aufbau des Mobilfunkgeschäfts beteiligt, seit der Gründung 1992 bei der Mobil-Tochter NTT Docomo dabei, seit 1996 im Board, seit 2001 Vizepräsident. Nach 44 Jahren bei NTT ist der Wechsel zu den Briten ein wirklicher Neuanfang für ihn: „Ich bin heute als Tsuda von Vodafone wiedergeboren worden.“

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%