Beispiele
Die Tricks der Dax-Konzerne

Klar und übersichtlich: So soll nach dem Handelsgesetzbuch der Jahresabschluss aussehen. Doch einige Dax-Konzerne verschönern - mit legalen Methoden - ihre tatsächliche Situation. Wie kreativ die Unternehmen dabei vorgehen, zeigen die Beispiele Telekom, Tognum, SAP und Siemens.
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Beispiel I: Die Telekom restrukturiert sich gerne immer wieder neu

Bei der Darstellung der Ergebniskennzahlen gehört die Deutsche Telekom zu denen, die gerne auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) abstellen - und zwar auf das bereinigte. Auffallend ist, dass das so ermittelte operative Ergebnis seit 2005 immer über dem tatsächlichen Ergebnis liegt. Extrem war die Abweichung im Jahr 2007. Damals lag das bereinigte Ebitda mit 19,3 Mrd. Euro ganze 2,4 Mrd. Euro über dem "echten" operativen Ergebnis. Noch im vergangenen Geschäftsjahr lag die Spanne immerhin bei 800 Mio. Euro.

Auch das Ergebnis unter dem Strich wird bereinigt: 2009 lag der bereinigte Jahresüberschuss bei 3,4 Mrd. Euro, tatsächlich kamen die Bonner aber nur auf 400 Mio. Euro.

Wie ist so etwas möglich? Herausgerechnet wurden - zugunsten der Dividende - milliardenschwere Firmenwertabschreibungen auf Töchter im Ausland, allein 1,8 Mrd. Euro in Großbritannien. Solche Wertberichtigungen muss die Telekom fast jedes Jahr machen, trotzdem hält sie es für einen Sondereffekt.

Nicht nur einmalig sind auch die ständig auftretenden Restrukturierungsaufwendungen der Telekom. Die machen einen großen Teil der jährlichen Bereinigungen des operativen Gewinns aus. Der Sanierungsaufwand fällt nicht nur jedes Jahr an, er kommt zum Teil sogar aus immer denselben Geschäftsfeldern und Regionen. 2009 wurde das operative Ergebnis beispielsweise um Aufwendungen für Personalmaßnahmen und Restrukturierungen in Deutschland und im Systemgeschäft bereinigt. Bereits im Jahr 2008 wies die Deutsche Telekom aber außerordentliche Aufwendungen in denselben Bereichen auf, wie im Kleingedruckten des Konzerngeschäftsbericht 2009 auf Seite 72 zu lesen ist.

In den Vorjahren waren die Geschäftsfelder des Konzerns noch etwas anders organisiert. Doch auch zu diesem Zeitpunkt entfielen die Aufwendungen für Personal- und Restrukturierungsmaßnahmen immer wieder auf die Geschäftsfelder Breitband/Festnetz und Geschäftskunden - die heute im Wesentlichen in den genannten Segmenten Deutschland und Systemgeschäft stecken. Klar ist damit: Die Deutsche Telekom findet in jedem Jahr neue Gründe, um bestimmte Restrukturierungen als Einmaleffekt zu verkaufen.

Das sei ein "Beitrag zur Vergleichbarkeit", heißt es zur Verteidigung bei der Deutschen Telekom. Ein Sprecher des Konzerns sagte auf Anfrage, Ziel der Bereinigungen sei es, Sondereffekte, die das operative Geschäft überlagern, herauszufiltern. Dazu zählen Abschreibungen auf Firmenwerte. Hier ist der Konzern besonders gebeutelt. Schließlich musste die Telekom vor Jahren den größten Verlust in der deutschen Unternehmensgeschichte verkraften - rund 20 Mrd. Euro. Grund waren massive Abschreibungen auf die US-Tochter Voicestream.

Wert legt die Deutsche Telekom aber auch auf folgende Feststellung: Bereinigte wie unbereinigte Zahlen würden "gleichberechtigt" publiziert. Das jedenfalls ist unstreitig.

Beispiel I: Die Telekom restrukturiert sich gerne immer wieder neu
Beispiel II: Tognum verblüfft mit eklatanten Unterschieden
Beispiel III: Bei SAP verlieren sich Bilanzleser in wilden Zahlenfluten
Beispiel IV: Alles Schulden bei Siemens - oder was?

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