Belmiro de Azevedo ist ein Selfmade-Milliardär: Der reichste Mann Portugals

Belmiro de Azevedo ist ein Selfmade-Milliardär
Der reichste Mann Portugals

Er rennt ans Netz und drischt den Ball auf den Boden des anderen Feldes. „Ein meisterhafter Volley“, lobt der Gegner. Belmiro de Azevedo, reichster Mann Portugals, ist zwar schon 67 Jahre alt, aber beim Tennisspiel in seinem Wohnort Porto will er auch heute vor allem eines: siegen.

HB MADRID. Sein Vermögen beläuft sich auf 1,7 Milliarden Euro. Er ist Präsident des Verwaltungsrats der Sonae-Gruppe, des größten Mischkonzerns des Landes. Über die Holding Efanor Investimentos kontrolliert er 58 Prozent des Sonae-Kapitals. Mit Sonae will er jetzt Portugal Telecom übernehmen.

„Er gehört zu denjenigen, die nach der Diktatur das Land mit aufgebaut haben“, sagt der Deutsche Nils Peter Sieger, der als Immobilienberater in Portugal arbeitet. De Azevedo startete 1959 mit der Produktion von Spanplatten. Später kamen Supermärkte hinzu. Inzwischen ist er in fast jeder Branche vertreten.

Dennoch war das ganze Land überrascht, dass der dreifache Vater nun auch nach der Portugal Telecom (PT) greift, dem wichtigsten Telekomunternehmen des Landes. Am Montag lancierte er ein feindliches Übernahmeangebot, mit 10,7 Milliarden Euro das größte der portugiesischen Geschichte. „Es ist noch nicht genau klar, was de Azevedo damit vorhat“, sagt Hans-Joachim Böhmer, Geschäftsführer der deutsch-portugiesischen Handelskammer in Lissabon.

Will der Ex-Harvard-Student PT zerschlagen und in Teilen an seinen Partner France Télécom verkaufen? Oder will er das Unternehmen nur vor der Gesamtübernahme durch die spanische Telefónica retten, die bereits zehn Prozent an PT hält und immer wieder als Käufer genannt wird?

Er selbst äußert sich nicht dazu. „Meiner Ansicht nach will er einfach nur die Nummer eins auf dem portugiesischen Telekommunikationsmarkt werden“, sagt Raymond Hill von der internationalen Ratingagentur Fitch. So sehen es auch die heimischen Medien. Die am Montag angekündigte Übernahme sei eine gemeinsame Sache de Azevedos und seines Sohnes, des Chefs der Multimedia-Tochter Sonaecom, schreiben sie. An dieser ist France Télécom mit 24 Prozent beteiligt. Sonaecom gehört auch Optimus, der drittgrößte Mobilfunker des Landes.

„Manager und Mitarbeiter haben die Pflicht, große Anstrengungen der Erneuerung zu unternehmen“, sagte de Azevedo, als Sonae 1999 sein 40. Firmenjubiläum feierte. Das sei ein Grund, warum er den Namen Sonae gewählt habe. Es bedeute auf Japanisch „Erneuerung“. Hill glaubt, dass die kriselnde PT genau diesen Geist gebrauchen kann.

Obwohl der Börsenwert des Ex-Monopolisten mit rund 9,25 Milliarden Euro etwa viermal so hoch ist wie der von Sonae, glaubt Glen Chapman vom Broker Ibersecurities, dass de Azevedo auch diesmal Spürsinn bewiesen hat: „Wir erwarten nicht, dass noch weitere Angebote für PT kommen.“ Und Portugals Regierung hat bereits ihr Okay gegeben.

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