Ben Verwaayen
Charmant und schroff

Ben Verwaayen muss beim französisch-amerikanischen Telekomausrüster Alcatel-Lucent viele Probleme lösen - und zwar schnell. Seine Vorgänger scheiterten.

LONDON/PARIS. Er könnte sich ein wenig Lässigkeit gönnen. Ben Verwaayen stellt seine stolze Jahresbilanz als Chef der BT Group vor. Der Applaus der Analysten und Investoren zum Abschied beim britischen Telekomkonzern ist ihm sicher. Doch er tigert wie üblich über die Bühne in der BT-Zentrale und hämmert den Zuhörern die Kernbotschaften ein. Der schmächtige Holländer mit dem spärlichen Haupthaar will überzeugen, er will glänzen. Fragen zu seiner Zukunft wehrt er hingegen am 15. Mai ab.

Nun ist er wieder da - und er will es mit 56 Jahren noch einmal wissen. Er übernimmt eine der härtesten Sanierungsaufgaben in der Branche. An ihm liegt es, ob die Fusion der Telekomausrüster Alcatel und Lucent als Lehrbeispiel für missglückte Firmenehen in die Geschichte eingeht oder als Erfolgsstory mit Anlauf. Seit sechs Quartalen schreibt das französisch-amerikanische Unternehmen rote Zahlen. Sieben Milliarden Dollar insgesamt. Das kostete die Architekten der Fusion, Serge Tchuruk und Patricia Russo, im Juli ihre Jobs.

An die Seite Verwaayens stellten die Aufseher als Chairman den gut verdrahteten Ex-EADS-Chef Philippe Camus. Die Aufgabenteilung ist klar: Verwaayen kümmert sich um das operative Geschäft, Camus hält ihm der Politik und den Finanzmärkten gegenüber den Rücken frei.

Alcatel-Lucent ist eine Herkulesaufgabe nach Verwaayens Geschmack. Ein scheinbar hoffnungsloser Fall, den er in die Erfolgsspur zurücklenken kann. Bei BT ist ihm das gelungen. Er impfte dem nach dem Verlust der Mobilfunksparte mutlosen Unternehmen neues Selbstbewusstsein ein. Er entwickelte Wachstumsfelder, um den sinkenden Umsatz im traditionellen Festnetzgeschäft auszugleichen. Der Erfolg: BT erzielte in den sechs Jahren seiner Amtszeit im Durchschnitt höhere Renditen als die Telekomgiganten auf dem Kontinent.

Mit klarer Strategie und geschliffenen Präsentationen überzeugte Verwaayen die Londoner Analysten. So charmant er plaudern kann, so schroff kann er werden, wenn andere seinen Gedankenzügen nicht folgen können. Er ist einer, der überzeugen will - auch glänzen.

Sein Profil passt perfekt zum neuen Job. Er arbeitete fünf Jahre in der Führung von Lucent, zuletzt als Vize-Chairman, bevor er zu BT wechselte. Er kennt also die Telekomausrüster und die Bedürfnisse ihrer Kunden, der Netzbetreiber.

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