Ben Verwaayen
Der Vordenker gibt keine Ruhe

Ben Verwaayen, Chef der BT Group, hat seinen Job erledigt und das britische Unternehmen auf Vordermann gebracht. Von einer Nachfolgediskussion will er aber nichts hören. Denn er hat noch ein Ziel: Der Niederländer will BT zum modernsten Telekomkonzern formen.

LONDON. Mit Standing Ovations haben gestern Analysten und Journalisten den Chairman der BT Group, Sir Christopher Bland, verabschiedet. Der bullige 68-Jährige mit dem typisch englischen Humor genoss die Huldigungen im Auditorium der Firmenzentrale. Neben ihm stimmte der kleinere und schmalere Vorstandschef Ben Verwaayen in den Applaus ein und trat bescheiden ein paar Schritte zur Seite. Dabei ist die Rettung der früheren British Telecom mindestens genauso sein Verdienst wie der des ehemaligen Krankenhausmanagers und BBC-Chefaufsehers.

Vor sechs Jahren ist Bland bei BT angetreten, um die Trümmer einer gescheiterten Expansionsstrategie beiseite zu räumen. Als Vorstandschef holte er Verwaayen, einen Außenseiter. Der Niederländer kam zwar aus der Branche, doch er arbeitete zuletzt bei Lucent Technologies in den USA. Die Londoner City war skeptisch, doch Verwaayen hat sie überzeugt – mit strategischem Weitblick und der erfolgreichen Verwirklichung seiner Pläne. Auf 20 aufeinander folgende Quartale Wachstum konnte er gestern verweisen, auf drastisch gesunkene Schulden, einen Pensionsfonds mit Überschuss und nicht zuletzt auf die zurückeroberte Marktführerschaft im Geschäft mit schnellen Internetzugängen.

Doch Erfolg kann auch zur Last werden. Kaum zeichnete sich vor ein paar Monaten der Abschied des Chairmans ab, musste sich auch der 55-jährige Vorstandschef den Fragen nach seiner eigenen Nachfolge stellen. Schließlich hat er immer gesagt, dass er bestimmt keine zehn Jahre an der Spitze von BT stehen will, und mehr als die Hälfte dieser Zeit ist schon rum.

Immer wieder ist er in den vergangenen Jahren für so manchen Posten in der Branche gehandelt worden, unter anderem als Chef der Deutschen Telekom Ende vergangenen Jahres. Er beteuert, dass er nie gefragt worden sei.

Doch langsam wird Verwaayen ungeduldig mit der Presse angesichts der Fragerei. Beleidigt und schroff reagierte er neulich in einer Journalistenrunde im Vorstandsraum des Konzerns mit Blick auf die St.-Paul’s-Kathedrale, als der jüngste Umbau bei BT nicht als strategischer Geniestreich ankam, sondern als Regelung der Nachfolge. Ganz abwegig ist das nicht, denn die neue Konzernstruktur gibt Andy Green, dem erfolgreichen Chef der Geschäftskundensparte Global Services, eine neue, starke Rolle in der Führung.

Doch Verwaayen will sich auf die Diskussion nicht einlassen. In Situationen, in denen er sich unverstanden fühlt, kann der sonst so zugängliche Mann mit der spärlich überkämmten Halbglatze und den wachen Augen hinter der randlosen Brille gereizt reagieren und sich mit hartnäckigen Nachfragern hitzige Wortgefechte liefern. Dann spürt man die Ungeduld eines Managers, der es gewohnt ist, seinen Gesprächspartnern ein paar Züge voraus zu sein. Unvermittelt reißt Verwaayen dann aber auch wieder einen Witz, klopft etwa einem Vorstandskollegen vor dessen Präsentation auf die Schulter und sagt: „Mach’s nicht zu langweilig!“

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