BenQ-Chef
Lee peilt den nächsten Gipfel an

BenQ-Chef Lee Kuen-yaos Historie war imposant – bis er sich mit Siemens-Handys eine blutige Nase holte. In Asien stören die Negativschlagzeilen aus dem fernen Deutschland aber niemanden. Und so peilt Lee schon den nächsten Gipfel an.

TAIPEH. Er liebt es, ganz, ganz oben zu stehen. Da, wo der Himmel zum Greifen nah ist. Und wo die Luft schon sehr dünn wird, es einfach nicht mehr weitergeht. Höchstens bergab. Mindestens zwei Mal im Jahr kraxelt BenQ-Chef Lee Kuen-yao auf den 3 997 Meter hohen Yu im Süden Taiwans. Der begeisterte Bergsteiger nimmt auf dem steilen Weg immer einige seiner Manager mit: Über den Wolken lässt es sich in anderen Dimensionen denken, hier ist für Visionen mehr Platz als im Hochhaus-Büro. Vielleicht wurde auf solch einer Wanderung der Entschluss gefasst, aus dem weitgehend unbekannten taiwanischen Massenhersteller von Computern, Bildschirmen, MP3-Playern und Handys eine weltweit anerkannte Marke zu machen. Und vielleicht war es bei einer Rast, als der Plan entstand, die Handysparte von Siemens zu übernehmen.

„Ich musste diese Chance einfach beim Schopf ergreifen“, soll Lee den Siemens-Deal intern erklärt haben. Wer hoch hinaus wolle, müsse auch unbekannte Pfade gehen. „Everything is possible“, lautete darum der Slogan, mit dem Lee noch vor gut einem Jahr seinen ganz großen Coup der Branche in Taipeh verkaufte.

Schmerzlich, aber unvermeidbar, nennt er nun den Rückzug von BenQ aus Deutschland. So richtig sicher war sich der Mann aus Taiwan seiner Sache mit den Deutschen irgendwie nie. „Ich habe sehr gemischte Gefühle“, hatte er schon kurz nach dem Siemens-Geschäft angedeutet, dass die Probleme erst noch kommen würden.

Doch der Sohn eines Reisbauern hat stets rational entschieden in seinem Leben. Nach dem Elite-Abschluss als Ingenieur an der National Taiwan University soll er zum Beispiel etliche Angebote für eine Karriere bei multinationalen Konzernen abgelehnt haben. Der 23-Jährige steigt lieber bei einer damals kleinen, aber gerade aufsteigenden Firma ein: dem taiwanischen Elektronikkonzern Acer. Dort klettert Lee im Laufe der Jahre nach oben.

Als er 1989 nicht den CEO-Posten bekommt, geht er in die Schweiz, um in Lausanne am International Institut for Management Development (IMD) seinen MBA zu machen. Doch bald ist er zurück – und wird Präsident der Tochterfirma Acer Periphals. Diese erlebt in den 90er-Jahren unter seiner Führung ein enormes Wachstum: Lee formt die Acer-Einheit zum weltweit größten Lieferanten von PC-Bildschirmen. 2000 nutzt er die Acer-Reorganisation zum Sprung in die Unabhängigkeit. Kurze darauf wird sein neues Unternehmen, an dem Acer 20 Prozent hält, in BenQ umbenannt.

Während Acer heute in einer eher schmucklosen Zentrale sitzt, hat sich Lee für BenQ inzwischen ein 60 Millionen Dollar teures Hochhaus in Taiwans Hauptstadt errichtet. Für Besucher gibt es ein Starbucks-Café, für die Mitarbeiter Wände aus Bambus und Grünpflanzen, für den Chef eine Kommandozentrale im 14. Stock.

Hier bastelt er an seinem Plan der Weltmarke. Am Designerschreibtisch mit Weitblick breitet er die Arme weit aus und strahlt: „Wir werden immer bekannter.“ Auch im modernen Geschäftsviertel von Taipeh ist es der Blick von ganz oben, der ihn zu beflügeln scheint.

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