Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen
Werte in flüchtigen Zeiten

Gehegte Schätze oder krisenfeste Geldanlage? Für Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen ist seine Oldtimer-Sammlung vor allem eine Liebhaberei. Inzwischen nennt er mehr als ein Dutzend sein Eigen. In seiner Garage im englischen Nantwich greift der 62-Jährige auch mal tief ins Innenleben seiner rollenden Raritäten.

Ein Firmenchef im Monteurskittel strahlt meist aus, was er ist: ein Fake. Maschinenbauer und Manager Franz-Josef Paefgen braucht eigentlich keine Verkleidung, um in seiner großzügig bemessenen Garage ganz bei sich zu sein. Alles hat hier seinen Platz. An der Wand lehnt ein Motorroller, der seinem Team während des Sieges beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2003 als Fortbewegungsmittel jenseits der Rennstrecke diente.

Hingebungsvoll poliert der Boss der britischen VW-Tochter Bentley die lange Motorhaube eines für seine sorgfältige Restaurierung preisgekrönten Modells S – mit einer Karosse von Graber, Hammerschläge sind noch zu sehen – von 1956 („Mein Stolz und meine Freude“), dann zeigt er das unter dem Armaturenbrett angebrachte Werkzeugset eines seltenen Mark VI von 1952 („Alles original“) und den historischen Verkaufsprospekt eines 50 Jahre alten Morris Minor 1 000, den er schon als 17-jähriger Austauschschüler bewunderte: „Das englische Pendant zum VW-Käfer, ein Auto für jedermann. Man hat nach fünf Minuten begriffen, wie es funktioniert. Mein Lieblingsauto für die Fahrt zum Pub“

Mitten im verregneten nordenglischen Idyll von Cheshire, nebenan weiden Schafe, pflegt der mittlerweile 62-Jährige kostbare Steckenpferde: vom Kühlergrill bis zum Kofferraum. Was ihn bei der Auswahl der Autos treibt, ist Sehnsucht nach „den Schätzen meiner Jugend“.

Die Leidenschaft für Vierräder entwickelt sich früh, in der Werkstatt des Vaters in Neuss bei Düsseldorf, erzählt der Hausherr am Abend beim obligatorischen Gin Tonic, bevor das Dinner am Konferenztisch aus Wurzelholz gereicht wird. „In der Werkstatt meines Vaters durfte ich in den 60er-Jahren Traumautos wie einen Mercedes 300, Jaguar Mark II von den Kunden abholen und wieder zurückfahren.“ Modelle, denen Paefgen Jahrzehnte später selbst auf der Spur ist: „Ein Auto darf man nicht suchen. Es ist das Auto, das einen findet.“ Ein halbes Dutzend nennt er inzwischen sein Eigen. Dabei findet er, dass „Besitz ein Rückschritt ist: Die Realität fällt im Vergleich mit der Vorstellung ab.“ Als Sachbearbeiter in der Ford-Motoren-Entwicklung in Köln lernt Paefgen nach dem Studium von einem Kollegen die Kunst des Restaurierens. Seine Lektion: Man muss ein Auto zerlegen, um es zu begreifen.

In den vergangenen Jahren haben rare Oldtimer enorme Wertsteigerungen erfahren. Vor allem vermögende Russen und auch Asiaten interessieren sich für die Meilensteine der Automobilgeschichte. Begehrt sind vor allem Edelmarken wie Bentley, Bugatti, Ferrari oder BMW. Ein spektakuläres Beispiel aus jüngster Zeit: ein BMW Roadster 507, von dem nur 255 Exemplare gebaut wurden.

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