BER-Chef Karsten Mühlenfeld
Mit Lärm kennt er sich aus

Der Flughafen Berlin Brandenburg hat einen neuen Chef. Heute übernimmt Karsten Mühlenfeld das Zepter von Hartmut Mehdorn. Der in der Region verwurzelte Manager ist kein Airport-Experte – hat aber wenig zu verlieren.
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DüsseldorfSeit diesem Montag hat der Pannenflughafen BER einen neuen Chef. Karsten Mühlenfeld tritt die Nachfolge von Hartmut Mehdorn an. Der 51-jährige ehemalige Rolls-Royce-Manager soll die ewige Baustelle zu Ende bringen. Eine Aufgabe, die erst einmal einfach klingt, vor der aber schon zwei Chefs und mehrere Aufseher kapitulierten.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg, kurz RBB, reagierte mit Humor auf die Nachricht, dass Mühlenfeld der neue Chef des ewigen Bauprojekts wird. „Chuck-Norris-Alternative aus der Region“ betitelte der Sender sein Portrait. Würde Chuck Norris, Schauspieler, einstiger Karate-Champion und seit Jahren Internet-Phänomen, BER übernehmen, wäre die Eröffnung morgen um 7.30 Uhr. Ein Witz unter vielen. Doch er zeigt die Sehnsucht: Ein Macher soll her, nach dem großen Ankündiger Mehdorn.

„Ich glaube, dass Herr Mehdorn in den letzten Jahren einen guten Job gemacht hat und die Planung dadurch sehr viel besser dasteht als vorher“, sagte Mühlenfeld dem RBB. Der Terminplan seines Vorgängers soll eingehalten werden. Mehdorns Versprechen: Eröffnung in der zweiten Jahreshälfte 2017 und „keine bösen Überraschungen mehr“. „Ich werde in den nächsten Monaten sehen, ob das möglich ist“, schränkte Mühlenfeld gegenüber dem Fernsehsender ein.

Mühlenfeld, der Neue, war im Prinzip schon weg, bevor er da war. Der Manager, vormals für den Turbinenhersteller Rolls Royce am Standort Brandenburg tätig, trat im Februar eine Stelle als Entwicklungsleiter bei Bombardier an. Mit dem Zughersteller konnte sich Mühlenfeld einigen, zu welchen Konditionen bleibt ungewiss. Reibungslos will einfach nichts laufen beim Milliardenprojekt BER. Für den neuen Chef ist das vielleicht sogar ein Vorteil.

Mühlenfeld gilt als Wunschkandidat der beteiligten Länder Berlin und Brandenburg. Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte unlängst, er kenne und schätze Mühlenfeld „seit langem als exzellenten Wirtschaftsmanager“. Er ist in der Region aufgewachsen, kennt sich im Arbeitsumfeld aus. Für Rolls Royce half er seit 1993 im beschaulichen Dahlewitz, Triebwerkstests mit Anwohnerschutz zu vereinbaren. Ob das als Qualifikation ausreicht, einen Flughafen zu leiten, fragen sich vor allem die in und um Berlin ansässigen Medien. Die Frage dahinter muss lauten: Was hat Mühlenfeld zu verlieren?

Der gebürtige Berliner findet ein Projekt vor, bei dem keine Fehlentwicklung mehr überraschen kann. Mehr als 1000 Tage überfällig ist die Eröffnung des Flughafens Willy Brandt, der das städtische Luftdrehkreuz Tegel ablösen soll. Monatlich verliert die Betreibergesellschaft zwischen 30 und 40 Millionen Euro, die geschätzten Baukosten hatte Mehdorn zuletzt auf mehr als fünf Milliarden Euro in die Höhe korrigiert. Stand jetzt werden es 5,4 Milliarden Euro sein.

Mehdorn selbst, der betont, er lege sein Amt nieder und werfe nicht hin, kommt auch nicht unbeschadet raus aus der Situation. Erst Anfang März berichtete das Handelsblatt exklusiv, dass der scheidende BER-Chef schon früh von Korruptionsvorwürfen unter dem Dach seiner Gesellschaft wusste. Ganz davon ab, dass Mehdorn der Ruf des „Unvollendeten“ nun nachhaltig anheften dürfte.

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