Berater in Großbritannien: Seltener benötigt, aber das Verhältnis zum Kunden ist partnerschaftlicher
Gardinenpredigten sind Briten fremd

Die Beziehung zwischen Beratern und Top-Managern ist in Großbritannien enger und persönlicher als in Deutschland. Das erzählen Berater, die beide Welten gut kennen. „Die britische Neigung zum Small Talk macht die Arbeit hier angenehm“, meint Stephan Butscher, Partner der Unternehmensberatung Simon Kucher & Partners in London. „Man spricht nicht nur übers Fachliche, sondern schnell auch über persönliche Dinge.“

HB LONDON.Das partnerschaftliche Verhältnis bedeutet aber keineswegs, dass der Anspruch an die Arbeit geringer ist. Läuft ein Projekt gut, spart der Brite nicht mit Lob. Butscher: „Aber wenn etwas schief läuft, kriegt man das klar mitgeteilt.“ Doch nicht als Gardinenpredigt. „In England wird dann eher lange geschwiegen.“

Das persönliche Verhältnis zwischen Beratern und Kunden ist einerseits ein Vorteil – die Geschäftsbeziehungen sind langfristigere als in Deutschland. Doch wenn ein Manager wechselt – was bei Misserfolg auf dem rauen Londoner Pflaster oft schnell und unerwartet kommt – geht mit dem persönlichen Kontakt auch rasch der Auftrag flöten. „Das passiert in England leichter als in Deutschland“, vergleicht Thomas Eichelmann, der in der Geschäftsführung von Roland Berger Strategy Consultants für Großbritannien zuständig ist. Er arbeitet seit 15 Jahren auf der Insel und sieht den britischen Markt als Trendsetter.

„Viele Entwicklungen auf dem deutschen Markt sind von den USA über Großbritannien nach Deutschland gekommen“, weiß Eichelmann. So hat sich zum Beispiel die Strategieberatung zuerst in England durchgesetzt. Auch der Seitenwechsel – also dass Berater in Unternehmen wechseln und umgekehrt – hat bei den Briten zuerst begonnen.

Worin erteilen die Briten ihren Unternehmen am häufigsten Rat? Insbesondere das Thema Outsourcing beschäftigt sie. Das lässt sich auch in den Statistiken des britischen Branchenverbandes MCA ablesen: Die IT- und Outsourcing-Berater haben ein starkes Gewicht. Outsourcing wächst kräftig und machte im vergangenen Jahr schon ein Drittel der Beraterhonorare aus. Die Strategieberatung schrumpfte dagegen.

Zugleich konzentriert sich immer mehr Macht in den Händen großer Beratungsfirmen mit starker IT-Kompetenz. Auf rund 15 Milliarden Euro schätzt der MCA den britischen Markt. Doch während er insgesamt wächst, sanken die Honorare je Berater 2004 im Schnitt um elf Prozent auf 249 000 Euro.

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