Berater-Umfrage von BDU und Handelsblatt: Der Arbeitsmarkt darbt weiter – in Nischen aber blüht er auf
„Das Glück liegt im Verborgenen“

Die Hiobsbotschaften für den Standort Deutschland reißen nicht ab: Bombardier streicht 2 350 Arbeitsplätze. Die Deutsche Bank kürzt 1 920 Stellen. Textilfarbenhersteller Dystar baut 800 Jobs ab und lässt in Asien weiterarbeiten. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Jeden Tag fallen seit zehn Jahren 690 Stellen im produzierenden Gewerbe weg – ersatzlos. Fast eine Million sozialversicherungspflichtiger Jobs sind seit 2000 verschwunden.

HB DÜSSELDORF. Angesichts der Ödnis auf dem Arbeitsmarkt mag sich so mancher fragen: Gibt es hier zu Lande überhaupt noch Wirtschaftszweige, in denen neue Stellen entstehen? Welche Branchen suchen 2005 zusätzliche Mitarbeiter und sichern so den Standort D? Der Bundesverband deutscher Unternehmensberater (BDU), Bonn, und das Handelsblatt befragten hierzu 1 200 Berater und Personalexperten. Also diejenigen, die neue Trends in der Einstellungspraxis mit als Erste erspüren. Die Umfrage-Beteiligung war beachtlich: Jeder Vierte lieferte seine Einschätzung.

Das Ergebnis: Es existiert keine boomende Führungsbranche wie vor vier Jahren noch die Informationstechnologie. Allerdings: „Es gibt faszinierende Nischen in allen möglichen Bereichen“, wie Hilmar Schneider, Arbeitsmarktexperte vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), bestätigt. „Man ist verblüfft, was alles im Verborgenen blüht.“ Durch den Strukturwandel erwarten die Berater durchaus Neueinstellungen – allen voran in folgenden drei Bereichen, die fast jeder Zwölfte benannte.

Biotechnologie/Chemie/Pharma: „In der Biotechnologie bewegt sich viel: Hier dürfen Naturwissenschaftler wie auch Wirtschaftswissenschaftler mit guten Arbeitsplatzperspektiven rechnen“, so Christoph Kleppel, Trendforscher bei Roland Berger Strategy Consultants. „In der deutschen Pharmaindustrie sind vorbildlich geführte Familienunternehmen auf dem Vormarsch, während die Riesen verschwinden“, meint Headhunterin Christine Stimpel, Deutschlandchefin von Spencer Stuart. Vorzeigebeispiele sind etwa Boehringer Ingelheim, Merck oder Altana Pharma. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat zudem positive Beschäftigungseffekte ermittelt: Jeder neue Pharma-Job schafft einen weiteren in anderen Branchen.

Gesundheit, Pflege und persönliche Dienstleistungen: „Die Alterung der Gesellschaft bietet ungeahnte Beschäftigungschancen“, ist Etienne Jaugey, Unternehmensberater bei Diamond Cluster, überzeugt. Stimpel bestätigt: „Gesundheitspflege wächst stark und profitabel. Es entstehen völlig neue Dienstleister, die etwa Patienten zu Hause versorgen.“

Telekommunikation (mit Call- Centern) und IT: Die hoffnungsvollen Erwartungen der Berater decken sich mit denen des Branchenverbandes Bitkom. Dieser rechnet für 2005 erstmals seit vier Jahren wieder mit einem Zuwachs – um immerhin 10 000 Stellen. „Wir haben Schwierigkeiten, hoch qualifizierte IT-Spezialisten, Techniker und Mitarbeiter für Call-Center zu finden“, berichtet Heide Franken, Geschäftsführerin von Randstad, Deutschlands größter Zeitarbeitsfirma. Und nicht nur dort. Auch „in unserer Branche geht es aufwärts, sie wird 2005 zweistellig wachsen“, prophezeit Franken. Sie macht Hoffnung: „Zeitarbeit ist immer ein Frühindikator für den Arbeitsmarkt.“

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