Beratung bei US-Gerichtsverfahren
Das lukrative Geschäft der Ausspionierer

Das US-Justizsystem hat ein neues Genre hervorgebracht: Prozessberater helfen den Parteien, die Jury zu manipulieren. Weil die Urteile üblicherweise von zwölf juristischen Laien gesprochen werden, kommt es nicht allein darauf an, welche Beweise und Indizien die Anwälte vorbringen können.

HOUSTON. Don Compton glänzt durch ungewöhnliche Auftritte: Bei Gericht fuhr er neulich mit einem Golfcart vor, "weil das einfacher zu parken ist in dieser Gegend". Seine abgewetzten Tennisschuhe trägt er bei Präsentationen vor der Chefetage von Shell oder Texaco genauso selbstverständlich wie zum Mittagessen mit Kollegen. Aber er kann sich die Extravaganzen auch leisten: Als Prozessberater für die Crème de la Crème der US-Unternehmen kommt es schließlich allein darauf an, welche entscheidenden Informationen Compton und seine Firma TrialCorp vor einem anstehenden Gerichtsverfahren ans Tageslicht bringen kann. "Am Anfang guckten meine Klienten komisch", grinst der vollschlanke Texaner, "aber nachdem ich ihnen das ein oder andere Milliönchen eingespart habe, fragt keiner mehr danach, wie ich rumlaufe."

Das amerikanische Gerichtssystem mit seinem Geschworenengremium hat in den vergangenen 20 Jahren eine Kuriosität hervorgebracht, die in Europa weitgehend unbekannt ist: den lukrativen Job des Prozessberaters oder "Trial Consultants". Da das Urteil in einem US-Gerichtsverfahren üblicherweise von zwölf juristischen Laien gesprochen wird, kommt es nicht allein darauf an, welche Beweise und Indizien die Anwälte vorbringen können. Sondern auch, ob ihre Schautafeln verständlich sind, ob sie der Jury sympathisch sind, wie sie ihre Zeugen präsentieren oder welche persönlichen Lebenserfahrungen die Juroren selbst mitbringen.

"Im Jurastudium fallen solche Aspekte normalerweise hintenüber, und der durchschnittliche Anwalt hat zunächst keine große Erfahrung damit, wie man mit Geschworenen umgeht", erklärt Douglas Präsident der Gesellschaft Amerikanischer Prozessberater (ASTC). "Deshalb helfen wir ihnen dabei: durch Probeläufe, Rollenspiele und fiktive Prozesse, in denen sie ihren Fall einer simulierten Jury vortragen und sehen können, wo es noch hakt."

Vor allem bei größeren Gerichtsverfahren ist es inzwischen so gut wie Standard, dass die Verteidiger und oft auch die Klägerseite mit Prozessberatern zusammenarbeiten. "Noch vor fünfzehn Jahren war unser Job ein Novum, aber heute kommt kaum ein großer Fall mehr ohne Berater aus", sagt Karen Hurwitz, Chefin von Hurwitz Selbst der Staat greift bei hochrangigen Prozessen zum Rat der Experten - wie zum Beispiel gegen die Lifestyle-Königin Martha Stewart oder Popstar Michael Jackson.

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