Beratungen am Mittwoch
Cordes wird neuer Haniel-Chef

Der Mann kann schweigen. Er wolle "nach neuen Aufgaben suchen", teilte Eckhard Cordes Ende August der Mercedes-Belegschaft in einem internen Abschiedsbrief mit. Es war das Einzige, was er zu den wochenlangen Spekulationen um seine Zukunft nach der Trennung vom Autokonzern Daimler-Chrysler äußerte.

FRANKFURT. Nach seinem abrupten Abgang im Spätsommer, als er im Rennen um die Nachfolge von Konzernchef Jürgen Schrempp unterlag und die Brocken als Mercedes-Chef hinwarf, war von dem knallharten Manager nichts mehr zu hören.

Eiskalt wie Mercedes-Formel-1-Fahrer Kimi Raikkonen löste er wenige Tage nach der Ankündigung des Führungswechsels Aktienoptionen in Millionenhöhe ein - sehr zur Empörung der Öffentlichkeit.

Danach schwieg er und sichtete seitdem neue Offerten. Jetzt hat er sich entschieden: Am Mittwoch wurde der 54-jährige Norddeutsche neuer Chef des Familienunternehmens Haniel in Duisburg. Vier Monate nach dem spektakulären Ausscheiden als Mercedes-Chef übernimmt der 54-jährige Cordes damit wieder eine Führungsaufgabe in der deutschen Wirtschaft. Viele hatten geglaubt, dass der gewiefte Controller zu einem Finanzinvestor gehen oder zu einem amerikanischen Autokonzern wechseln würde.

So wurde Cordes sowohl mit dem zweitgrößten US-Autokonzern Ford als auch mit der amerikanischen Investmentgesellschaft Clayton, Dubilier & Rice in Verbindung gebracht. Doch am Ende entschied sich der Schleswig-Holsteiner für Duisburg statt für Übersee und übernimmt nun die Leitung eines der größten Familienunternehmen Europas mit 24 Milliarden Euro Umsatz. Zu Haniel gehört der Pharmagroßhändler Celesio ebenso wie das Baustoffunternehmen Xella.

Mangelnde Zielstrebigkeit hat Cordes noch niemand vorwerfen können. Der gebürtige Neumünsteraner legte schon bei den Schwaben eine Blitzkarriere hin: Mit 46 Jahren rückte er in den Vorstand auf. 1998 arbeitete er an den Geheimverhandlungen von Daimler über eine Fusion mit Chrysler, auf die er als Stratege im Hintergrund maßgeblichen Einfluss hatte. Später wurde er Nutzfahrzeugchef, dann 2004 Mercedes-Boss. Doch im Sommer stand das Daimler-Gewächs als großer Verlierer des Führungswechsels da. Erst bei Haniel erreicht er nun endlich die Position, die er auch bei Daimler gerne gehabt hätte: den Vorstandsvorsitz.

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