Beratungsbosse vom Niederrhein
Unter Krefeldern

Was ist ein Krefelder? Ein merkwürdiges Mischgetränk, eine Cola mit Altbier. Oder jemand, der einer der Top-Five-Unternehmensberatungen in Deutschland vorsteht. Frank Mattern zum Beispiel, von McKinsey, ist – an einem Heiligabend – in der mittelgroßen Stadt am linken Niederrhein geboren. Er ist nicht der einzige Beratungsboss, den die Seidenstadt stellt.

Auch Stefan Eikelmann, seit kurzem Deutschlandchef von Booz Allen Hamilton, ist in Krefeld geboren. Und zwar vor 39 Jahren. Heute ist Eikelmann wieder zurück am Niederrhein, als Vater eines neun Monate alten Sohns, Lucas. Genauer gesagt in Meerbusch-Strümp. Dort wohnt er vor den Toren Düsseldorfs mit seiner Frau, der Augenärztin und Halbfranzösin Anne Lore, in einem Haus mit Garten im Spielstraßen-Gebiet. Wie man es von einer Familie erwartet. Denn obwohl sich Eikelmann „als Europäer fühlt“ und es liebt, durch die Welt zu reisen, ist der Rheinländer bodenständig und treu.

So treu wie er Booz Allen ist. Dort arbeitet er schon seit 15 Jahren. Fast sein ganzes Berufsleben hat er da verbracht, um jetzt – diese Karrieren sind heute selten – an der Spitze zu stehen. Die US-Unternehmensberatung gehört rund 300 aktiven Partnern, hat weltweit 19 000 Mitarbeiter und macht vier Milliarden Dollar Umsatz. In Deutschland steht Booz Allen Hamilton auf Platz fünf der Unternehmensberatungen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Booz Allen 483 Mitarbeiter plus 42 Partner und bringt es auf 229 Millionen Euro Umsatz. Zu ihren Kunden gehören drei Viertel aller Dax-Konzerne. Eikelmanns erklärtes Ziel: „Ein Platz unter den Top-drei-Beratungen in Deutschland.“ Er selbst ist Experte für die Telekommunikations- und Technologiebranche und war in den vergangenen drei Jahren als Personalchef in einer Schlüsselfunktion. Dass er dabei „unheimlich verbindlich, integrativ und ein ehrlicher Kerl ist, dessen große Stärke die Kommunikation ist“ – wie ihn sein Freund Ulrich Schumann, Headhunter bei Boyden International, charakterisiert –, half ihm sicher.

Dabei wollte Eikelmann, der als Einzelkind aufgewachsen ist, eigentlich Arzt werden oder Gentechnik studieren. „Aber ich wollte dann mein Leben lieber doch nicht im Labor über dem Mikroskop verbringen“, erzählt er. Und weil er sich schon als Schüler durch den „,Economist fräste“, ging er nach seiner Bundeswehrzeit bei der Luftwaffenunterstützung in Geilenkirchen – er musste die Mittelstreckenrakete Pershing 1a schützen – zur European Business School im Rheingau. Wie zielstrebig und ehrgeizig Eikelmann ist, berichtet auch sein Studienfreund Ilan Brandstetter von der Berliner Immobiliengesellschaft: „Schon im Studium plante er, Unternehmensberater zu werden.“ Damals sei er ein „Frauentyp gewesen, charmant, ohne Fehl und Tadel“ – und mit einem Super-Humor. „Aber ebenso hart, wie Stefan arbeiten konnte, so ausgiebig haben wir auch gefeiert, wir waren viel auf der Rolle.“

Er erinnert sich noch heute, wie Eikelmann bei einer Fred-Feuerstein-Party als Cave-Man kam in Fellkleid mit einer Keule aus Pappmaché und einer Kette aus Hundeknochen um den Hals. Oder wie er auf einem formellen Sommerfest zwar im vorgeschriebenen Anzug erschien, mit Jackett und schickem Hemd – aber dessen Hose kurz geschnitten war wie eine Bermuda – und das mit einem kleinen Schlag. Doch zwei Dinge waren damals schon für Eikelmann tabu – und sind es noch: Alkohol und Zigaretten. „Mir schmeckt einfach kein Alkohol“, erzählt er. Wenn dann trinkt er nur Wein.

Seite 1:

Unter Krefeldern

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%