Berliner S-Bahn-Chaos
Neue Vorwürfe gegen Mehdorn

Im deutschen Schienenverkehr läuft nichts mehr rund. Die DB-Tochter Berliner S-Bahn versinkt im Chaos, Sicherheitsprobleme bei der ICE-Flotte wirken sich negativ auf den Urlaubsreiseverkehr aus und nun droht neues Ungemach im Schienengüterverkehr. Die Politik hat den Schuldigen an der Misere längst ausgemacht – es ist Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.

BERLIN. Aufgeschreckt durch einen Radbruch im Mai hat das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) die Überprüfung aller Züge der wichtigsten Baureihe 481 angeordnet hat. Seit heute ist nur noch jede dritte S-Bahn in der Hauptstadt im Einsatz. Seit Sommer 2008 kämpft die DB AG zudem mit Sicherheitsproblemen bei ihrer ICE-Flotte. Derzeit fehlen im Fernverkehr deshalb immer noch zwölf bis 14 Züge – mitten in der Haupturlaubszeit.

Nun droht zusätzliches Chaos im Schienengüterverkehr. Aufgeschreckt durch ein schweres Kesselwagenunglück in Italien hat das EBA die Überprüfung der Radsatzwellen sämtlicher Güterzüge bei DB und Privatbahnen angeordnet. Damit kämpft inzwischen nahezu das gesamte Eisenbahnsystem in Deutschland mit Problemen bei Achsen und Rädern.

Die Politik hat den Schuldigen an der Misere längst ausgemacht: Es ist Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Mit seinem Privatisierungskurs habe er die Bahn gnadenlos auf Rendite getrimmt und die Sicherheit des Bahnbetriebs und das Schienennetz vernachlässigt, hieß es am Wochenende unisono bei SPD, Grünen und Linken. „Dass der Sparkurs der Bahn solche katastrophalen Folgen wie in Berlin haben würde, habe ich mir in meinen schlimmsten Fantasien nicht ausmalen können“, sagte der Bahnexperte der SPD, Herrmann Scheer, dem Handelsblatt. „Wenn Mehdorn nicht schon über die Datenaffäre gestürzt wäre, dann müsste er jetzt zurücktreten“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen Winfried Hermann. „Was wir jetzt erleben, ist das Ergebnis einer jahrelangen Börsen-Bahn-Orientierung von Mehdorn, der für den Preis schöner Bilanzzahlen die Bahn auf Verschleiß und Risiko gefahren hat.“

Die Berliner S-Bahn sei dafür nur ein besonders eklatantes Beispiel. „Auch die Probleme mit dem ICE gäbe es nicht, hätte die Bahn nicht zu wenig investiert, Wartungseinrichtungen geschlossen, qualifiziertes Personal entlassen, die Zugzahlen reduziert und große Teile des Bahnnetzes vernachlässigt.“ Speziell für die Güterwaggons komme hinzu, dass hier noch immer der Stand der Technik von vor über 50 Jahren vorherrsche. Auch hier habe die Bahn, die immer noch die meisten Güter auf der Schiene hat, negative Standards gesetzt.

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