Bernd Loewen
Überraschungskandidat aus Polen

Fast ein halbes Jahr hat die KfW gebraucht, um den neuen Chef für das Risikomanagement zu finden. Dafür ist ihr jetzt aber auch ein wirklicher Überraschungscoup gelungen: Denn Commerzbank-Manager Bernd Loewen hatte niemand auf der Rechnung. Er soll noch vor der Sommerpause sein Amt bei der staatlichen Förderbank antreten.

FRANKFURT. Auch wenn er extern vielerorts ein unbeschriebenes Blatt ist, dürfte der 43-Jährige alles Nötige für den anspruchsvollen KfW-Vorstandsposten mitbringen. "Der ist innerhalb der Commerzbank über lange Jahre aufgebaut worden und hat eine Menge gesehen", heißt es über ihn. Tatsächlich enthält der Lebenslauf des gebürtigen Hageners durchaus konträre Stationen. Nach dem Studium an der Universität Münster arbeitet Loewen zunächst für einige Jahre als Wirtschaftsprüfer in Wuppertal.

1996 wechselt er zur Commerzbank. Dort ist er unter anderem in der Konzernstrategie tätig, bevor er ins Investment-Banking wechselt und dort schließlich von New York aus das US-Geschäft verantwortet. 2005 wird er zum Investment-Banking-Vorstand der polnischen Commerzbank-Tochter BRE berufen. "Loewen hat als ehemaliger Wirtschaftsprüfer sowohl Ahnung vom Mittelstand, er kennt sich aber als Investmentbanker auch mit Marktrisiken aus", heißt es in der Branche.

Gerade letzteres dürfte dem als bodenständig, direkt und keineswegs konfliktscheu geltenden Manager bei der KfW zu Gute kommen. Die hatte nämlich im September nach der Pleite von Lehman Brothers noch Millionen an die kollabierte US-Investmentbank überwiesen - was Chef-Risikomanager Detlef Leinberger den Job kostete. "Loewen wird da frischen Wind reinbringen", prognostiziert ein Branchenkenner.

Neben Loewen zieht - bereits in der kommenden Woche - Staatssekretär Axel Nawrath neu in den Vorstand ein. Er verantwortet künftig das Fördergeschäft. Eigentlich hatte KfW-Chef Ulrich Schröder bei beiden Neubesetzungen auf erfahrene Banker gedrängt - doch vor dem Hintergrund des Parteienproporzes setzte die SPD Nawrath durch. Mit Loewen kann Schröder nun aber zumindest einen Teilerfolg feiern.

Interessant dürfte sein, wie sich das Gehalt des neuen Risikochefs in das bisherige Gehaltsgefüge des KfW-Vorstands einordnet. Schröders Bezüge waren zum Antritt auf 815 000 Euro und damit das Doppelte seiner Vorgängerin angehoben worden.

Die Zustimmung des heute tagenden KfW-Verwaltungsrates zur Berufung Loewens gilt als sicher. Neben der Personalie geht es aber auch um den Milliardenverlust 2008. Klar ist bereits, dass er noch über den 1,8 Mrd. Euro der ersten neun Monate liegen wird. Im Jahr zuvor hatte die KfW wegen der IKB-Rettung sogar netto 6,2 Mrd. Euro verloren. bas/hgn

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