Bernd M. Michael gibt das operative Geschäft ab
Mr. Grey will sich zurücknehmen

Bernd M. Michael, Chef der Werbeagentur Grey, hat den Erfolg offenbar gepachtet. Der 64-Jährige machte seine Werbeagentur in drei Jahrzehnten zur Nummer zwei in Deutschland. Jetzt will er kürzer treten.

FRANKFURT/M. Vom Markengedanken ist er fast schon besessen: Die rote Krawatte als sein Erkennungssymbol hat er über drei Jahrzehnte als Chef der Werbeagentur Grey kultiviert. Selbst im Smoking verzichtet Bernd M. Michael nicht darauf. Bei der Preisverleihung der GWA-Effies am vergangenen Wochenende steckte sein Markenzeichen in der Brusttasche des edlen Anzugs.

Morgen hat Mr. Grey, wie Bernd Martin Michael zuweilen angesprochen wird, seinen letzten Arbeitstag als Chairman und Chief Executive Officer (CEO) von Grey in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Der Tag beginnt mit einem Flug von Brüssel nach Frankfurt, einem Gespräch mit S.-Oliver-Inhaber Bernd Freier und setzt sich am Nachmittag im Düsseldorfer Büro fort. Danach könnte der 60-Jährige alle Zeit der Welt darauf verwenden, sein Golf-Handicap von 24 zu verbessern.

Aber: „Dafür habe ich einfach keine Zeit“, sagt Michael dem Handelsblatt. Denn er will Vorlesungen über Markenführung und Marketing unter anderem an der Universität in Schanghai halten, Freunde wie Linde-Chef Wolfgang Reitzle und S.-Oliver-Inhaber Freier in Sachen Markenführung coachen und mit Adolf Ogi, Berater bei den Vereinten Nationen, eine Sportolympiade für 6- bis 12-Jährige ins Leben rufen.

Ein Drittel seiner Zeit will er noch seinem „Kind“ Grey widmen: der Agenturgruppe, die er in drei Jahrzehnten zur Nummer zwei in Deutschland geformt hat. Darum habe ihn das Management gebeten.

Er selbst finde sich eigentlich überflüssig, meint Michael. Er weiß genau um das „kleine Problem“, dass sein Name und Grey bislang untrennbar miteinander verbunden sind. „Er hat Grey und Bernd Michael zu einer unverwechselbaren Einheit gemacht. Nie hat er einen Zweifel daran gelassen, der Beste sein zu wollen. Bernd Michael ist zweifellos eines der Urgesteine der deutschen Werbelandschaft“, meint Lothar S. Leonhard, Chef von Ogilvy & Mather und ebenfalls ein Urgestein der Branche.

Dass Michael Grey ist und Grey Michael, dafür hat der gebürtige Dresdner mit seiner Omnipräsenz bei Branchentreffen, Markenartiklerveranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Jurysitzungen konsequent gesorgt. Eloquent, unterhaltsam und immer einen markigen Spruch parat – so ist „Turbo-Michael“, wie man ihn in der Branche nennt, zu einer der profiliertesten Persönlichkeiten der Agenturwelt geworden. Das war nicht immer zur Freude der Wettbewerber – aber immer im Dienst der Marke.

„Bernd Michael ist einer der markantesten Agenturmanager, mit dem wir zusammengearbeitet haben. Er hat immer die Eigenheit der Marke zur ersten Priorität gemacht“, sagt Bernhard Glock, Globaler Media Manager beim langjährigen Kunden Procter & Gamble.

Gegen die „Geiz ist geil“-Welle“ hat Michael unablässig gepredigt. Handelsmarken kommen dem Vater von zwei Kindern sowieso nicht ins Haus. Und mit einem „Quäl dich, du Sau“, dem Appell von Ex-Rad-Profi Udo Bölts an seinen Kollegen Jan Ullrich, entlässt er Kunden schon mal aus den Vorträgen über Herausforderungen des Marketings.

Michael begann seine Karriere in der Werbebranche 1963. 1972 wurde er Geschäftsführer von Grey Düsseldorf und stieg 1978 zum CEO auf. Seinen Rückzug hat er seit längerem vorbereitet: Ende 2003 wurde der damalige Bates-Geschäftsführer Uli Veigel als CEO der deutschen Agenturen in die Gruppe geholt. Das Osteuropa-Geschäft verantwortet der langjährige Grey-Mitarbeiter Piero Leone. Und die Mediaagenturen leitet Jürgen Blomenkamp.

Am Montag wird Michael wieder im Büro sitzen, im Hinterhof des Agenturbaus in der Düsseldorfer Corneliusstraße. Aber er verspricht: „Ich mische mich nicht mehr ins operative Geschäft ein.“

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