Bernd Osterloh
Schrittweise Abkehr vom Schmusekurs

Die vier Jahre lang schwelende Fehde mit Porsche war der bislang härteste Kampf in Bernd Osterlohs Laufbahn als oberster Vertreter der VW-Werker. Nach dem gewonnenen Übernahmestreit mit dem Sportwagenbauer kehrt der VW-Betriebsratschef zum Alltag zurück: Nun knüpft er sich den Vorstand vor.
  • 0

HAMBURG. Große Gesten mag er nicht. Jedenfalls, wenn es um ihn selbst geht. Entsprechend knurrig reagierte Volkswagens Betriebsratschef Bernd Osterloh, als seine Mitstreiter ihm zum Abschluss der Auseinandersetzung mit Porsche eine Trophäe aus Plexiglas überreichten. Zwei Inschriften schmücken den Quader: "Damit Volkswagen Volkswagen bleibt" und "Danke sagen 360 000 Kolleginnen und Kollegen".

Die Hauptversammlung des Autokonzerns am kommenden Donnerstag in Hamburg soll die finanziellen Weichen für die Übernahme von Porsche stellen. Die vier Jahre lang schwelende Fehde mit dem Sportwagenbauer war der bislang härteste Kampf in Osterlohs Laufbahn als oberster Vertreter der VW-Werker. Im Schulterschluss mit der Konzernspitze um VW-Boss Martin Winterkorn hat Osterloh mit der Belegschaft im Rücken die Übernahme des Giganten VW durch den automobilen Zwerg Porsche verhindert - was dem mächtigen Betriebsratschef viel Lob sogar vom Großaktionär Niedersachen einbrachte.

Doch die Schlacht ist geschlagen und für Osterloh die Zeit gekommen, wieder vom Topmanagement abzurücken - um den Ruch von zu viel Schmusekurs gar nicht erst aufkommen zu lassen. Das Ringen um eine Verlängerung der Beschäftigungsgarantie über das Jahr 2011 hinaus kommt dem 53-Jährigen da gerade recht. Am Wochenende hatte VW-Personalchef Horst Neumann klargemacht, dass der Vorstand Zugeständnisse erwartet. Osterloh warf der VW-Führung daraufhin eine "Rasenmäher-Methode" vor und kritisierte "eine pauschale Vorgabe", drei Prozent Personal pro Abteilung einzusparen. Neumann - IG-Metaller wie der Betriebsratschef - weiß, was ihn erwartet. "Osterloh ist ein ebenso intelligenter wie emotionaler Arbeiterführer, der sich für seine Leute wie ein Löwe in die Schlacht wirft", sagte der VW-Vorstand dem Handelsblatt.

Der Mann mit dem immer etwas zerknautscht wirkenden Gesicht musste von Anfang an kämpfen. Osterlohs Vater war bei der Bundesbahn, engagierte sich gewerkschaftlich. Der kleine Bernd lernte schnell: "Bahnerbrot ist hartes Brot." Protzen liege ihm bis heute nicht, sagen Vertraute, trotz der Leidenschaft für schnelle Autos wie aktuell den Golf R mit 270 PS. "Bernd kann etwas nur genießen, wenn es anderen gutgeht. Deshalb engagiert er sich", sagt Weggefährte und VW-Betriebsrat Andreas Heim.

Seite 1:

Schrittweise Abkehr vom Schmusekurs

Seite 2:

Kommentare zu " Bernd Osterloh: Schrittweise Abkehr vom Schmusekurs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%