Bernd Scheifele
Heidelcement: Wie sich Merckles Ziehsohn beweist

Mit Geschick und Fortune steuert Bernd Scheifele Heidelberg Cement aus der existenzbedrohenden Krise. Dank Kapitalerhöhung und erfolgreich platzierter Anleihen hat der Baustoffkonzern damit das Schlimmste bereits hinter sich.
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STUTTGART. Es ist bitterkalt an diesem Morgen in Blaubeuren. Den 12. Januar 2009 wird Bernd Scheifele so schnell nicht vergessen. Er sitzt neben seiner Frau in der Evangelischen Stadtkirche in einer der vorderen Reihen. Das kantige Gesicht blass, die Wangen eingefallen, die Miene versteinert. Der Blick geht ins Leere. Der dynamische Manager, dessen Weg in den vergangenen Jahren steil nach oben führte, wirkt wie schockgefroren. Als stünde in diesem Augenblick die Zeit still - und seine Karriere auch.

Es läuft die Trauerfeier für Adolf Merckle, der sich genau eine Woche zuvor nahe seiner Heimatstadt vor einen Zug geworfen hat. Weinende Enkelinnen stehen am Sarg des Großvaters - starker Tobak auch für hartgesottene Manager wie den Vorstandschef von Heidelberg Cement, selbst Vater von vier Kindern.

Scheifele war der Ziehsohn Merckles. Dessen Tod droht in diesem Moment nicht nur die Unternehmensgruppe, sondern auch die Karriere Scheifeles in die Tiefe zu reißen. Der größte deutsche Baustoffkonzern ist schließlich hochverschuldet, die Banken sind nervös.

Doch keine zehn Monate später hat Scheifele es geschafft: Erst gelingt die Umschuldung mit einem Volumen von 8,7 Mrd. Euro mitten in der Finanzkrise, dann erfolgt eine Kapitalerhöhung von 2,3 Mrd. Euro. Am Mittwoch sammelt Heidelcement über zwei Anleihen 2,5 Mrd. Euro ein - deutlich mehr Geld als ursprünglich geplant. Der Baustoffkonzern ist jetzt wieder solide finanziert, und Scheifele liebäugelt sogar mit dem Aufstieg in den deutschen Leitindex Dax. Schafft er es, hätte Scheifele gezeigt, dass er nicht nur offensiv angreifen, sondern auch geschickt verteidigen kann.

Scheifeles beruflicher Aufstieg war eng mit dem Schicksal Merckles verbunden. Der Patriarch eines Milliardenreiches mit dem Pharmakonzern Ratiopharm, dem Pharmahändler Phoenix und eben Heidelberg Cement verstand sich lange als Scheifeles Mentor. Er holte ihn als jungen Anwalt in sein Reich. Scheifele, fleißig, scharfsinnig und umsetzungsstark, vereinte alle Eigenschaften, die der Patriarch bei seinen Söhnen mitunter vermisste. Der heute 51-Jährige stieg schnell auf, baute für Merckle den Pharmahandel Phoenix auf. Später betraut ihn Merckle mit der Führung von Heidelberg Cement. Im Frühjahr 2008 sollte der drahtige Manager sogar in Personalunion Chef der neuen Familienholding werden. Wohlgemerkt: Scheifele und keiner der drei Söhne Adolf Merckles. Dazu kam es allerdings nie. "Glück für ihn", sagen Konzernkenner. Sonst hätten die Banken Scheifele später wegen der offensichtlichen Verquickung mit den Familiengeschäften nicht an der Heidelberg-Spitze belassen.

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