Bernhard Mattes, Ford
Ein Automanager für alle Fälle

Beruflich ist Bernhard Mattes, Chef der deutschen Ford-Werke, absolut fixiert: Er möchte mit seiner Marke endlich den Konkurrenten Opel abhängen. Nebenbei tanzt Mattes jedoch auf mehreren Hochzeiten – was ihn nicht davon abhält, in jeder Rolle eine gute Figur zu machen.

DÜSSELDORF. Nach seinem Tag als Ford-Werke-Chef streift sich Bernhard Mattes, Herr über gut 30 000 Mitarbeiter in Deutschland und Belgien sowie 7 000 Ford-Servicestützpunkte in Europa, Anfang dieser Woche eine weiße Kochschürze um. Unter Anleitung von Drei-Sterne-Koch Dieter Müller will er am Abend mit Journalisten kochen – und ihnen das Erfolgsrezept von Ford in Europa schmackhaft machen. Kulinarische Höhepunkte der Kochschule im Betriebsrestaurant in Köln-Niehl sind Zanderfilet auf Traubensenfsauce und Maispoularde mit Kräuterbiskuit.

Ein Automanager für alle Fälle: Zwei Wochen zuvor am Rosenmontag repräsentiert Mattes in schwarzer Gardeuniform vom Wagen des Kölner Festkomitees den Hauptsponsor des Karnevals. Kaum abgestiegen, erwischt ihn auf der Ford-Bühne gegenüber dem Dom ein Schokoladengeschoss unterhalb der Nase. Mattes nimmt es gelassen und drückt regungslos ein Stofftaschentuch auf die blutende Kamellewunde.

Auf dem Internationalen Automobilsalon in Genf Anfang März wird der 51-Jährige in Anzug und Krawatte die PS-Welt von den Vorzügen des in Köln konzipierten und gebauten neuen Fiesta überzeugen müssen, der ab Sommer gegen Volkswagens Polo antritt. Bereits am kommenden Samstag rollt der in Saarlouis gebaute Golf-Konkurrent Focus zu den Händlern. Die Fachmedien verteilen Vorschusslorbeeren. Ford ist in Deutschland zwar noch ein ordentliches Stück davon entfernt, den Wolfsburger Marktführer einzuholen, aber in Rüsselsheim machen die Manager bereits bange Mienen.

„Ford setzt dazu an, Opel abzuhängen“, sagt Frank Schwope, Autoanalyst bei der Nord/LB. „Der Abstand zu Volkswagen ist allerdings noch gewaltig.“ Den soll nicht zuletzt der Kuga verkürzen. Der kompakte Geländewagen wird unter Mattes’ Regie in Saarlouis gebaut und soll gegen Volkswagens Überraschungserfolg Tiguan antreten. 45 000 Stück will der Ford-Chef in diesem Jahr produzieren. Sichtbar stolz ist der Automanager auf Design und Technik des neuen Modells. Mit großer Befriedigung hat Mattes – in Wolfsburg lange als „besserer Vertriebschef“ abgetan – registriert, dass ausgerechnet VW-Chef Martin Winterkorn die Studie des Kuga auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt eingehend studiert hat. Dem Platzhirsch Volkswagen Kunden abzujagen bereitet dem Ford-Manager diebische Freude. Man muss kein Tiefenpsychologe sein, um den besonderen Antrieb des in der Volkswagen-Stadt Wolfsburg aufgewachsenen Diplom-Ökonomen zu verstehen.

Dabei ist die Ford-Welt alles andere als heil: In den USA schrieb der Konzern 2006 erneut rote Zahlen, Konzernchef Alan Mullaly saniert mit harter Hand. Immer wieder muss auch Mattes in die Konzernzentrale nach Dearborn zum Rapport kommen. Dort erntet er Respekt für die Fortschritte in Europa. Die höherwertigen Modelle Mondeo und S-Max wildern sogar im Revier der Premiumbauer Audi und BMW. Die Ford-Gruppe konnte in Europa ihren Absatz im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent steigern, während der VW-Konzern 1,1 Prozent einbüßte.

Die Ford-Werke sind für die Entwicklung der weltweiten Kleinwagenplattform verantwortlich. „Die nächst höhere Klasse wird folgen, das ist nur konsequent“, kündigt Mattes an. Seine Fabriken in Köln, Saarlouis und im belgischen Genk sind ausgelastet. Dabei will der deutsche Ford-Chef „keinesfalls um jeden Preis wachsen“, sondern profitabel.

Ablenkung findet der Vater zweier Töchter beim Fußball. Mattes sitzt im Beirat des Kölner Fußball-Zweitligisten FC. Bis der allerdings gegen den Wolfsburger Erstligisten VfL antritt, dürfte noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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