Bernhard Reutersberg neuer Chef von Eon Ruhrgas
Nachfolger in großen Fußstapfen

Der größte deutsche Gasversorger Eon Ruhrgas hat die Weichen für die Nachfolge seines scheidenden Vorstandschefs Burckhard Bergmann gestellt: Der Präsidialausschuss empfahl dem Aufsichtsrat, Vertriebsvorstand Bernhard Reutersberg zu befördern. Auf den Manager wartet nun eine schwierige Aufgabe.

ESSEN. „Ich fange mal an, denn ohne den Einkauf hat der Vertrieb ja nichts zu verkaufen“, sagt scherzend Jochen Weise, im Vorstand von Eon Ruhrgas zuständig für die Gasbeschaffung. „Ohne den Vertrieb geht es aber auch nicht“, schiebt der für diesen Bereich zuständige Vorstand Bernhard Reutersberg rasch nach.

Beide Manager traten erst vergangene Woche in der Zentrale von Deutschlands größter Ferngasgesellschaft als Team mit gemeinsamen Anliegen auf: Bei rosa gebratenem Rinderfilet und Kalbsbäckchen erläuterten sie die Herausforderungen, vor denen ihr Unternehmen sowohl im Gaseinkauf als auch im -verkauf steht.

Die geladenen Gäste ließen sich vom friedlichen Miteinander der Gesprächspartner allerdings nicht in die Irre führen. Längst war bekannt, dass beide Vorstände um den höchsten Chefposten bei Ruhrgas konkurrieren. Wer würde das Rennen machen? Beide Manager galten in und außerhalb des Unternehmens monatelang als Favoriten.

Jetzt ist die Entscheidung gefallen: für Vertriebsvorstand Reutersberg. Der Präsidialausschuss hat sich für den 53-Jährigen ausgesprochen. Die Bestellung auf der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats am 19. Dezember ist nur noch eine Formalie, weil ihm auch die Arbeitnehmerseite den Vorzug gegenüber dem Kontrahenten gibt. Zum 1. März tritt Reutersberg die Nachfolge von Burckhard Bergmann an.

Auf den groß gewachsenen, schlanken Manager, der seinen Vorgänger um fast einen Kopf überragt, wartet eine schwierige Aufgabe. Zum einen könnten die Fußstapfen von Bergmann kaum größer sein: Mit ihm tritt einer der angesehensten Gasmanager Europas ab. Der 64-Jährige arbeitete 35 Jahre für das Unternehmen, sitzt seit 27 Jahren im Vorstand und steht seit sechs Jahren an der Vorstandsspitze. Er hat richtungweisende Lieferverträge in Russland und Norwegen ausgehandelt und die Fusion mit Eon vorangetrieben.

Einen solchen Lebenslauf kann Reutersberg nicht vorweisen – soll es vermutlich auch nicht. Der promovierte Diplom-Kaufmann ist kein Ruhrgas-Gewächs und auch in der Branche vergleichsweise neu. Erst vor einem Jahr wechselte er von der Konzerntochter, Eon Energie in München, nach Essen. Dort soll er die Integration des Konzerns vorantreiben und alte Strukturen aufbrechen. Dennoch muss sich der neue Chef mit weniger Einfluss zufriedengeben als der alte hatte. Im Gegensatz zu Bergmann wird Reutersberg nicht mehr im Vorstand des Mutterkonzerns sitzen. „Jetzt hat Bernotat die Ruhrgas auch im Management integriert“, kommentiert ein Kenner des Unternehmens die Personalie.

Reutersberg ist eben kein alter Gasmann, der noch der Monopolzeit nachtrauert und kumpelhaft mit seinen Kunden Verträge aushandelt. Er verkörpert den neuen Typus des Energiemanagers, der stilbewusst gekleidet, eher distanziert auftritt. Der Chefwechsel bei Ruhrgas erfolgt in unruhigen Zeiten. Dem Marktführer weht ein äußerst scharfer Wind entgegen: Brüssel und Berlin beäugen die Marktmacht des Gasimporteurs und -großhändlers kritisch, die EU-Kommission will dem Unternehmen sogar das Netz nehmen.

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